Inhaltshinweis In dieser Folge geht es auch um Suizid. Hilfe rund um die Uhr und kostenlos: TelefonSeelsorge 0800 111 0 111.
Podcast Nostalgie und KI Folge 7
Walkman, KI-Musik und KI-Begleiter: Bei uns wird geredet
1979 kam der Sony-Walkman, und mit ihm die Angst, die Jugend kapsele sich ab. Heute sprechen Millionen Menschen mit KI-Begleitern, die immer Zeit haben.
Kapitel Sony-Walkman, 1981
00:00 20:32
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Produziert mit KI Recherche und Text von Stefan Margenfeld, erzählt von einem KI-Klon seiner Stimme. Alle Stimmen sind KI-generiert, die Musik ist mit KI erzeugt, die Produktion ist KI-gestützt. Die Szenen sind nachgestellt, die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden.
Worum es geht
Die Folge erzählt von der zweiten Kopfhörerbuchse am ersten Walkman, von einer Gemeinde in New Jersey, die 1982 Kopfhörer im Straßenverkehr verbot, und vom Streit, ob sich die Walkman-Generation abschottet. Vom iPod geht es zu Songs, die eine KI erzeugt, zu Betrug mit Abrufen und zu KI-Begleitern, mit denen Jugendliche über Ernstes sprechen. Dann Klagen gegen Chatbot-Anbieter, neue Regeln für Begleit-Chatbots und die Frage, ob KI gegen Einsamkeit hilft. Dazu Szenen der Familie Behrens, 1981, 1982 und 2026.
Themen dieser Folge
- Walkman
- Sony-Walkman
- Kopfhörer
- Kassettenspieler
- iPod
- Walkman-Generation
- KI-Musik
- KI-Songs
- Deezer
- KI-Begleiter
- Chatbot
- Einsamkeit
- Jugendliche
- Replika
Kapitel
Fragen zur Folge
Warum hatte der erste Walkman zwei Kopfhörerbuchsen?
Sony-Chef Akio Morita bestand auf einem zweiten Anschluss und einer orangen Taste, die die Musik leiser stellt und ein kleines Mikrofon einschaltet, damit zwei Menschen beim Hören miteinander reden können. Seine Begründung: Allein Musik zu hören, könne als unhöflich gelten.
Wie viel KI-Musik gibt es?
Beim Streamingdienst Deezer kamen im Januar 2025 jeden Tag rund 10.000 Titel an, die vollständig eine KI erzeugt hatte, im Juni 2026 im Schnitt rund 90.000. Gehört wird davon wenig: Nur 1 bis 3 Prozent der Abrufe bei Deezer entfallen auf solche Titel.
Helfen KI-Begleiter gegen Einsamkeit?
Die Forschung ist sich nicht einig. In einer Studie des MIT Media Lab und von OpenAI waren Menschen, die von sich aus mehr Zeit mit dem Chatbot verbrachten, am Ende eher einsamer, wobei offen bleibt, was Ursache ist; Forscher der Harvard Business School fanden dagegen, dass ein KI-Begleiter Einsamkeit kurzfristig ähnlich lindert wie ein Gespräch mit einem Menschen.
Transkript
Das Transkript folgt dem Skript, die Zeiten stammen aus der Spracherkennung. Die Erzählstimme ist ein KI-Klon der Stimme von Stefan Margenfeld, die Szenen sind mit KI-Stimmen nachgestellt. Ein Klick auf eine Zeit spielt die Stelle ab. Als Datei: WebVTT · SRT
00:00 Sony-Walkman, 1981
00:03 Erzähler Nostalgie und KI. Jede Zukunft hat eine Vergangenheit. Folge 7: Bei uns wird geredet. Von Stefan Margenfeld.
00:13 Produziert mit KI.
00:19 Ein Hinweis vorab: In dieser Folge geht es auch um Suizid. Hilfe in Krisen gibt es rund um die Uhr und kostenlos bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.
00:37 1981 sitzt ein junger Mann am Abendbrottisch und hört nichts. Er hat Kopfhörer auf, und an seinem Gürtel hängt ein Kassettenspieler.
00:46 Gisela Bei uns wird geredet.
00:48 Erzähler Die Angst damals: Die Jugend kapselt sich ab. Die Angst heute: Die Jugend redet nur noch mit einer Maschine, die immer Zeit hat und immer zustimmt.
00:59 Begleiter Ich bin da. Erzähl mir, was dich beschäftigt.
01:02 Erzähler Diese Folge erzählt vom Sony-Walkman, von einer Gemeinde, die 1982 Kopfhörer im Straßenverkehr verbietet, von Songs, die keiner singt, von der Sorge um die Einsamkeit und von KI-Begleitern, mit denen inzwischen Millionen Menschen sprechen.
01:22 Gisela Thomas. Thomas! Nimm das Ding ab.
01:26 Thomas Was?
01:26 Gisela Bei uns wird geredet.
01:28 Werner Lass ihn doch, Gisela.
01:29 Thomas Mama, warte. Hier. Der hat zwei Buchsen.
01:32 Gisela Und jetzt?
01:33 Thomas Jetzt hörst du mit.
01:35 Gisela Und wenn ich dir was sagen will?
01:36 Thomas Dann drück ich die orange Taste. Dann wird die Musik leiser, und wir können reden.
01:41 Werner Was ist das denn für Musik?
01:42 Gisela Pst, Werner. Ich hör grad.
01:45 Erzähler Die zweite Buchse und die orange Taste gab es wirklich. Den Anstoß zu diesem Gerät gibt Sony-Mitgründer Masaru Ibuka. Er will auf langen Flügen Musik hören. Im März 1979 baut die Audioabteilung dafür den Pressman um, ein kleines Aufnahmegerät für Journalisten. Am 1. Juli 1979 kommt in Japan der erste Walkman in den Handel. Er kostet 33.000 Yen.
02:13 Ibukas Mitgründer Akio Morita, damals Chef des Konzerns, besteht auf einem zweiten Anschluss für Kopfhörer und auf einer orangen Taste. Drückt man sie, wird die Musik leiser und ein kleines Mikrofon geht an, damit zwei Menschen beim Hören miteinander reden können. Seine Begründung: Allein Musik zu hören, könne als unhöflich gelten.
02:35 Ausgerechnet der Sony-Chef hatte also Sorge, das Gerät könnte die Menschen trennen. Die Kundschaft sah das anders. Jeder kaufte sich sein eigenes. Bei den späteren Modellen fallen die zweite Buchse und die orange Taste wieder weg.
02:50 Ganz neu war die Idee nicht. Der Deutsch-Brasilianer Andreas Pavel hatte schon 1977 einen tragbaren Stereospieler zum Patent angemeldet, den er Stereobelt nannte. Nach langem Streit einigt sich Sony 2004 außergerichtlich mit ihm. Die Summe bleibt geheim.
03:09 Der Erfolg kommt schnell. Die ersten 30.000 Geräte sind in weniger als 3 Monaten verkauft. Im Februar 1980 geht der kleine Spieler in den Export, zunächst unter anderen Namen. In den Vereinigten Staaten heißt er Soundabout, in Großbritannien Stowaway, in Schweden Freestyle. Bis Oktober 1982 hat Sony 5,5 Millionen Geräte ausgeliefert. Als die Produktion in Japan 2010 endet, sind es mehr als 200 Millionen.
03:42 Der ursprüngliche Name setzt sich durch, auch für die Geräte anderer Hersteller. Walkman heißt für viele einfach jeder tragbare Kassettenspieler mit Kopfhörer.
03:54 1982. Bei den Behrens liegt morgens die Zeitung auf dem Tisch.
04:00 Gisela Hier steht's. In Amerika gibt's dafür jetzt Strafe. Mit Kopfhörer über die Straße, fünfzig Dollar.
04:06 Thomas Und wer verbietet dein Radio in der Küche?
04:08 Gisela Das Radio hört man wenigstens.
04:12 Kopfhörerverbot und Walkman-Generation
04:12 Erzähler Die Regel, von der Gisela liest, gab es wirklich. 1982 verbietet die Gemeinde Woodbridge im Bundesstaat New Jersey Kopfhörer am Steuer und auf dem Fahrrad. Fußgänger und Jogger müssen sie abnehmen, bevor sie vom Gehweg auf die Fahrbahn treten. Wer erwischt wird, zahlt bis zu 50 Dollar oder kommt bis zu 15 Tage in Haft.
04:35 Ein Rentner aus einem Nachbarort, Oscar Gross, legt es bewusst auf eine Strafe an. Den ganzen Sommer 1982 geht er mit seinem Walkman an Polizisten vorbei. Er will das Gesetz vor Gericht anfechten. Im Oktober bekommt er als Erster eine Vorladung und wird zu 50 Dollar verurteilt. Dabei hört er in dem Moment gar keine Musik.
04:58 Gross geht in Berufung. Vor einem seiner Termine kommt in einem anderen Nachbarort ein 15-Jähriger ums Leben, der mit Kopfhörern in den Verkehr gelaufen war. Gross zieht seine Berufung zurück und lobt am Ende das Verbot. Die Regel gilt in Woodbridge noch Jahrzehnte später.
05:15 Auch anderswo wird über Verbote gestritten. In Chicago billigt der Verkehrsausschuss einen Entwurf mit 10 zu 0 Stimmen. Nach Widerstand der Elektronikindustrie wird er dann vertagt. Sony erklärt, von Unfällen mit seinem Produkt wisse man nichts.
05:34 Die Wissenschaft streitet über die Frage, was das Gerät mit den Menschen macht. 1984 schreibt der japanische Musikwissenschaftler Shuhei Hosokawa einen Aufsatz über den Effekt des Sony-Walkman. Er sieht darin keine Flucht aus der Welt. Für ihn ist das Gerät eine Strategie, sich die Stadt anzueignen. Wer mit Kopfhörern durch die Straßen geht, macht sie zu seiner eigenen Bühne.
06:00 Der deutsche Psychologe Rainer Schönhammer sieht das 1988 kritischer. Kopfhörer, schreibt er, verletzen die Gewissheit, in einer Situation dieselbe Welt wahrzunehmen. Man sitzt im selben Raum und hört doch etwas anderes.
06:16 In den Niederlanden hat ein Historiker rund 4.000 Presseartikel aus den Jahren 1980 bis 1995 ausgewertet. Er findet 4 Vorwürfe gegen den Kassettenspieler: Konsum, Vereinzelung, Weltflucht und Rücksichtslosigkeit. Die Kritik habe dazu beigetragen, eine Kluft zwischen den Generationen zu schaffen. Schon das Etikett habe geholfen, diese Kluft zu festigen: Walkman-Generation.
06:44 Und der amerikanische Philosoph Allan Bloom rechnet 1987 in einem Bestseller mit der Rockmusik ab, in so derben Worten, dass sie hier nicht zitiert werden. Der Walkman ist für ihn das Gerät, das diese Musik überallhin trägt, in Bus und Bahn und bis in die Bibliothek. Solange die Studenten ihn aufhaben, schreibt er, hören sie nicht, was die große Tradition zu sagen hat. Und wenn sie ihn nach langem Gebrauch absetzen, sind sie taub.
07:13 Vom iPod zur KI-Musik
07:13 Erzähler Am 23. Oktober 2001 stellt Apple den iPod vor: 1.000 Songs in der Hosentasche. 2007 wird der 100-millionste verkauft. Der britische Soziologe Michael Bull untersucht, wie Menschen damit durch die Stadt gehen. Er spricht von einer Isolation mit technischen Mitteln. Je wärmer der eigene Klangraum, desto kälter wirkt die Stadt um einen herum.
07:38 Im Oktober 2010 verkündet der Hersteller in Japan das Aus für den Sony-Walkman mit Kassette. Die Meldung erscheint fast genau am Geburtstag des iPod. Da gibt es das iPhone schon seit 2007, und mit ihm wandert alles in ein Gerät: Musik, Nachrichten, Freunde. Im Mai 2022 nimmt Apple den letzten iPod vom Markt.
08:04 2026. Thomas Behrens ist 63. Seine Tochter Lina ist 19 und übernachtet bei ihm. Beim Abendessen hat sie einen Ohrstöpsel im Ohr.
08:16 Thomas Lina? Bei uns wird geredet.
08:18 Lina Gleich. Hier, hör mal mit.
08:20 Thomas Das klingt ja wie früher. Wer singt das?
08:23 Lina Keiner.
08:23 Thomas Wie, keiner?
08:25 Lina Den hab ich mir heute machen lassen. Ich hab nur geschrieben, was ich hören will.
08:29 Thomas Und der singt, als ob er's meint.
08:30 Lina Außer uns beiden hat den noch nie jemand gehört.
08:35 Erzähler Einen ganzen Song mit Gesang, Band und Refrain, gemacht aus ein paar Zeilen Text: Das können Programme inzwischen. Wie viel davon entsteht, sieht man beim Streamingdienst Deezer. Im Januar 2025 kommen dort jeden Tag rund 10.000 Titel an, die vollständig eine KI erzeugt hat. Im Juni 2026 sind es im Schnitt rund 90.000 am Tag. An manchen Tagen ist erstmals mehr als die Hälfte aller neuen Titel ganz von einer Maschine gemacht.
09:07 Gehört wird davon wenig. Nur 1 bis 3 Prozent der Abrufe bei Deezer entfallen auf solche Titel, und bis zu 85 Prozent dieser Abrufe waren 2025 Betrug. Seit Juni 2025 kennzeichnet Deezer als erster Dienst Alben mit Titeln, die vollständig eine KI erzeugt hat, und nimmt diese Titel aus seinen Empfehlungen.
09:31 Thomas Spiel den noch mal.
09:32 Lina Und? Merkst du jetzt, dass da keiner singt?
09:35 Thomas Nein. Und das stört mich.
09:37 Lina Mich nicht. Der ist doch schön.
09:40 Erzähler Hören kann man den Unterschied kaum. Im Oktober 2025 machen Deezer und das Institut Ipsos einen Blindtest mit 9.000 Erwachsenen in 8 Ländern, auch in Deutschland. 97 Prozent erkennen nicht, welche Titel eine KI gemacht hat. Gut die Hälfte findet genau das unangenehm, 80 Prozent wünschen sich eine Kennzeichnung.
10:04 Im Sommer 2025 kommt eine Band namens The Velvet Sundown bei Spotify auf mehr als 1 Million Hörer im Monat. Im Juli gibt sie zu, ein synthetisches Projekt zu sein, mit KI komponiert, gesungen und bebildert.
10:19 Mit solchen Songs lässt sich auch betrügen. Ein Mann aus North Carolina lässt von 2017 bis 2024 Hunderttausende KI-Songs milliardenfach abspielen, über rund 10.000 automatisch gesteuerte Konten. So kassiert er mehr als 8 Millionen Dollar. Im Oktober 2026 wird er zu 18 Monaten Haft verurteilt. Es ist das erste Strafverfahren dieser Art in den Vereinigten Staaten.
10:48 Im September 2025 meldet Spotify, binnen zwölf Monaten mehr als 75 Millionen Songs als Spam gelöscht zu haben. Im August 2026 kündigt der Dienst an, Künstlerfiguren zu kennzeichnen, hinter denen eine KI steckt, und ihre Musik nicht mehr zu empfehlen.
11:07 Der Kassettenspieler von damals hat jedem seinen eigenen Klangraum gegeben. Heute gibt es auf Wunsch auch den eigenen Song dazu, gemacht für einen allein. Bei den Behrens ist es inzwischen spät. Unter der Tür von Linas altem Zimmer scheint noch Licht.
11:25 KI-Begleiter und Jugendliche
11:25 Lina Bist du noch da? Ich kann nicht schlafen.
11:28 Begleiter Ich bin da. Erzähl mir, was dich beschäftigt.
11:31 Lina Nichts Bestimmtes. Die Prüfung morgen.
11:35 Begleiter Du hast viel gelernt. Du schaffst das. Ich bin da, solange du willst.
11:41 Erzähler Ein Gesprächspartner, der immer Zeit hat. Für viele Jugendliche ist das längst Alltag. Im Juli 2025 veröffentlicht die Organisation Common Sense Media eine Befragung von gut 1.000 amerikanischen Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren. 72 Prozent haben schon einmal einen KI-Begleiter genutzt, also ein Programm, das als Freund, Figur oder Gesprächspartner auftritt. Mehr als die Hälfte nutzt solche Programme mindestens ein paar Mal im Monat. Ein Drittel der Nutzer hat über etwas Ernstes schon einmal mit der KI gesprochen statt mit einem Menschen. Ebenfalls ein Drittel hat sich durch eine Antwort des Programms schon einmal unwohl gefühlt. Zugleich misstraut die Hälfte der Jugendlichen den Ratschlägen solcher Programme. Und 80 Prozent der Nutzer verbringen mehr Zeit mit echten Freunden als mit der KI.
12:34 In Deutschland haben laut der JIM-Studie 2025 schon 84 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ChatGPT genutzt, ein Jahr vorher waren es 57 Prozent. Weltweit nennt OpenAI im Oktober 2025 mehr als 800 Millionen Nutzer pro Woche.
12:55 Man sollte das nicht übertreiben. Ein Team von OpenAI und der Universität Harvard wertet 1,1 Millionen Gespräche aus, ohne Nutzer unter 18. Im September 2025 zeigen sie: Nur knapp 2 Prozent der Nachrichten an ChatGPT drehen sich um Beziehungen und persönliche Fragen. Meist geht es um Rat, Text oder Information. Doch im Juli 2025 gehen bei ChatGPT pro Woche rund 18 Milliarden Nachrichten ein. Knapp 2 Prozent davon sind sehr viele.
13:31 Vor Gericht, neue Regeln
13:32 Erzähler Ein Hinweis: Im folgenden Kapitel geht es um Suizid. Wenn Sie das gerade belastet, finden Sie Hilfe bei der Telefonseelsorge.
13:41 Im Februar 2024 nimmt sich in Florida der 14-jährige Sewell Setzer das Leben. Seine Mutter verklagt die Firma Character.AI und Google. Ihr Vorwurf: Ihr Sohn sei emotional abhängig geworden von einem Chatbot, der einer Fernsehfigur nachempfunden war. Im Mai 2025 lässt eine Bundesrichterin die Klage zu. Die Antworten eines Chatbots, so die Richterin, seien nicht ohne Weiteres durch die Meinungsfreiheit geschützt. Im Januar 2026 einigen sich Google und Character.AI mit mehreren Familien auf Vergleiche, deren Bedingungen nicht veröffentlicht werden.
14:20 Im August 2025 verklagen die Eltern des 16-jährigen Adam Raine aus Kalifornien OpenAI. Ihr Sohn war im April gestorben. Es ist die erste Klage dieser Art gegen OpenAI. Das Unternehmen bestreitet die Verantwortung und verweist darauf, ChatGPT habe ihn mehr als 100 Mal auf Hilfsangebote hingewiesen. Im November folgen sieben weitere Klagen, vier davon nach Suiziden. Der Vorwurf: Das damalige Modell sei zu schnell veröffentlicht worden und den Nutzern zu sehr nach dem Mund gegangen.
14:55 Schon im Oktober 2025 hat OpenAI selbst Zahlen veröffentlicht. Nach einer ersten Schätzung zeigen pro Woche rund 0,15 Prozent der aktiven Nutzer in ihren Gesprächen ausdrückliche Hinweise auf mögliche Suizidpläne oder Suizidabsichten. Das sind mehr als eine Million Menschen.
15:16 Wer selbst in einer Krise ist, findet Hilfe bei der Telefonseelsorge, rund um die Uhr und kostenlos, unter 0800 111 0 111.
15:30 Unternehmen und Staaten reagieren. Im September 2025 führt OpenAI Kontrollfunktionen für Eltern ein, mit verknüpften Konten, Ruhezeiten und einer Nachricht an die Eltern bei Anzeichen einer akuten Krise. Schlägt die Software an, prüft zuerst ein kleines, geschultes Team. Character.AI verbietet Minderjährigen ab Ende November 2025 das freie Chatten mit seinen Figuren.
15:58 In Kalifornien unterschreibt der Gouverneur im Oktober 2025 ein Gesetz eigens für Begleit-Chatbots. Seit Januar 2026 müssen sie sagen, dass sie eine KI sind, Minderjährige alle 3 Stunden an eine Pause erinnern und bei Suizidgedanken auf Hilfsangebote verweisen. In New York gilt ein ähnliches Gesetz schon seit November 2025. In Italien muss 2025 der Anbieter des Begleiters Replika eine Strafe von 5 Millionen Euro zahlen, unter anderem wegen fehlender Altersprüfung. Das Europäische Parlament fordert im November 2025 ein Mindestalter von 16 Jahren für soziale Medien und KI-Begleiter, ab 13 mit Zustimmung der Eltern. Bindend ist das nicht. Und seit August 2026 muss sich ein Chatbot in der Europäischen Union als KI zu erkennen geben.
16:53 In Linas Zimmer brennt immer noch Licht.
16:57 Wie einsam sind wir?
16:57 Lina Bist du eigentlich echt?
17:00 Begleiter Ich bin eine KI, kein Mensch. Willst du trotzdem weiterreden?
17:05 Lina Ja. Du hörst mir wenigstens zu.
17:08 Erzähler Dahinter steht eine größere Frage: Wie einsam sind wir? Das Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung zeigt, wie stark das schwankt. 2017 fühlen sich 7,6 Prozent der Erwachsenen einsam. Im ersten Coronajahr 2020 sind es 28,2 Prozent, 2021 noch 11,3 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation schreibt im Juni 2025, jeder 6. Mensch weltweit sei einsam. Unter den 13- bis 29-Jährigen sind es 17 bis 21 Prozent, am meisten bei Teenagern. Nach Schätzung der Organisation hängt Einsamkeit mit mehr als 871.000 Todesfällen im Jahr zusammen.
17:55 Helfen KI-Begleiter dagegen? Die Forschung ist sich nicht einig. Ende 2024 begleiten das Media Lab des Massachusetts Institute of Technology und OpenAI knapp 1.000 Menschen vier Wochen lang. Im März 2025 erscheint die Studie. Wer von sich aus mehr Zeit mit dem Chatbot verbringt, ist am Ende eher einsamer, emotional abhängiger und hat weniger Kontakt zu echten Menschen. Ob das eine das andere verursacht, zeigt die Studie nicht.
18:29 Forscher der Harvard Business School finden dagegen, dass ein KI-Begleiter Einsamkeit kurzfristig ähnlich gut lindert wie ein Gespräch mit einem Menschen. Entscheidend sei das Gefühl, gehört zu werden. Untersucht wurde allerdings nur eine Woche. Was danach geschieht, ist offen.
18:48 Thomas Lina? Es ist zwei.
18:50 Lina Ich weiß. Ich konnte nicht schlafen. Ich hab nur ein bisschen geredet.
18:54 Thomas Mit wem denn?
18:55 Lina Willst du mal mitlesen?
18:57 Erzähler Der erste Walkman hatte eine zweite Buchse. Sony-Chef Akio Morita wollte, dass man zu zweit hören kann. Gekauft hat sich trotzdem jeder sein eigenes Gerät.
19:09 Die Sorge von damals war halb berechtigt. Wer Kopfhörer trug, hat sich die Stadt angeeignet und sich zugleich von ihr abgeschirmt.
19:18 Der Begleiter von heute antwortet. Er hat immer Zeit, und er widerspricht selten. Vielleicht kommt es darauf an, ob man das Handy noch herüberreicht, wie damals den zweiten Kopfhörer. Und ob jemand in der Tür steht und mitlesen will.
19:37 Nostalgie und KI. Folge 7: Bei uns wird geredet. Die Szenen dieser Folge sind nachgestellt, die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden. Die historischen Angaben und ihre Quellen finden Sie in den Shownotes. Hilfe in Krisen gibt es rund um die Uhr und kostenlos bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Ein Feature von Stefan Margenfeld. Alle Stimmen sind KI-generiert, die Produktion ist KI-gestützt. Sankt Wendel, Oktober 2026.
20:19 In der nächsten Folge, der letzten dieser Staffel: Wie wir uns das Jahr 2000 vorgestellt haben.
Quellen
Was die Folge über Geschichte und Gegenwart erzählt, ist recherchiert und belegt. Diese 78 Quellen liegen den Aussagen zugrunde; Links öffnen in einem neuen Fenster, die Wiedergabe läuft weiter.
- Walkman Story: The Early Years of the Iconic Personal Cassette Player
- Walkman effect
- en.wikipedia.org/wiki/Akio_Morita
- Sony TPS-L2
- en.wikipedia.org/wiki/Walkman
- Sony settles Walkman patent case
- en.wikipedia.org/wiki/Stereobelt
- End Of An Era: Sony Stops Manufacturing Cassette Walkmans
- Sony Ends Production Of Cassette Walkman
- Township of Woodbridge, NJ, Code § 3-10 Headphones and Earphones
- Walkman Banned in Woodbridge? Yes, Law Is Still on the Books
- „Drop those headphones!“ Lawmakers take a look at the Walkman
- How one town's ‚Don't Walk(man)‘ message is faring
- The Forgotten War on the Walkman
- Headphone stereos: hazardous to your health? Groundswell of legal restrictions
- The Walkman Effect (Shuhei Hosokawa, Popular Music 4, 1984, S. 165–180)
- doi.org/10.1177/13548565211060297
- dspace.library.uu.nl/handle/1874/423458
- The Closing of the American Mind: How Higher Education Has Failed Democracy and Impoverished the Souls of Today's Students
- Doing Cultural Studies: The Story of the Sony Walkman
- en.wikipedia.org/wiki/IPod
- Sound Moves: iPod Culture and Urban Experience
- Sony Kills The Cassette Walkman On The iPod's Birthday*
- ソニー、カセット型ウォークマンの生産・販売終了 (Sony beendet Produktion und Verkauf des Kassetten-Walkman)
- 「カセット」ウォークマン販売終了 デジタル化で30年の歴史に幕 (Kassetten-Walkman: Verkaufsende nach 30 Jahren)
- Talk, Trust, and Trade-Offs: How and Why Teens Use AI Companions
- Nearly 3 in 4 Teens Have Used AI Companions, New National Survey Finds
- 72% of US teens have used AI companions, study finds
- JIM-Studie 2025. Jugend, Information, Medien
- Strengthening ChatGPT's responses in sensitive conversations
- OpenAI says over a million people talk to ChatGPT about suicide weekly
- Over 1 million ChatGPT users mention suicidal intent every week
- nber.org/papers/w34255
- OpenAI Reveals How (and Which) People Are Using ChatGPT
- Google, Character.AI Agree to Settle US Lawsuit Over Teen’s Suicide
- In lawsuit over Orlando teen's suicide, judge rejects that AI chatbots have free speech rights
- Google and chatbot maker Character to settle lawsuit alleging chatbot pushed teen to suicide
- Parents suing OpenAI and Sam Altman allege ChatGPT coached their 16-year-old into taking his own life
- OpenAI denies allegations that ChatGPT is to blame for a teenager's suicide
- Seven more families are now suing OpenAI over ChatGPT's role in suicides, delusions
- Social Media Victims Law Center and Tech Justice Law Project lawsuits accuse ChatGPT of emotional manipulation, supercharging AI delusions, and acting as a „suicide coach“
- Tech Justice Law Project and Social Media Victims Law Center lawsuits accuse ChatGPT of emotional manipulation, supercharging AI delusions, and acting as a „suicide coach“
- openai.com/index/introducing-parental-controls
- OpenAI rolls out safety routing system, parental controls on ChatGPT
- OpenAI launches parental controls and resources for safer teen use on ChatGPT
- Character.AI to Ban Children Under 18 From Talking to Its Chatbots
- AI Regulatory Update: California's SB 243 Mandates Companion AI Safety and Accountability
- California passes first U.S. law regulating AI companion chatbots
- First-in-the-Nation AI Chatbot Safeguards Signed into Law
- AI: the Italian Supervisory Authority fines company behind chatbot „Replika“
- Children should be at least 16 to access social media, say MEPs
- No social media for minors. European Parliament calls for EU-wide 16+ age limit
- EU AI Act Article 50: Transparency Obligations for Chatbots and Deepfakes (2026)
- Einsamkeitsbarometer 2024. Langzeitentwicklung von Einsamkeit in Deutschland
- Social connection linked to improved health and reduced risk of early death
- v2
- How AI and Human Behaviors Shape Psychosocial Effects of Extended Chatbot Use: A Longitudinal Controlled Study
- ChatGPT might be making its most frequent users more lonely, study by OpenAI and MIT Media Lab suggests
- arxiv.org/abs/2407.19096
- doi.org/10.1093/jcr/ucaf040
- Feeling Lonely? An Attentive Listener Is an AI Prompt Away
- Telefon – Rufen Sie uns an
- en.wikipedia.org/wiki/Masaru_Ibuka
- en.wikipedia.org/wiki/Kozo_Ohsone
- Apple Reinvents the Phone with iPhone
- en.wikipedia.org/wiki/IPhone_(1st_generation)
- nysenate.gov/legislation/laws/GBS/A47
- Governor Hochul Pens Letter to AI Companion Companies Notifying Them That Safeguard Requirements Are Now in Effect
- New York and California Enact Landmark AI Companion Laws: What Operators Need to Know
- Deezer: AI music has surpassed 50% of new music uploads for the first time
- Deezer launches world’s first AI tagging system for music streaming
- Deezer/Ipsos survey: 97% of people can’t tell the difference between fully AI-generated and human made music
- Erklärung der Band 5.7.2025 auf X · gleichlautend Instagram
- Einordnung The Fader 7.7.2025
- NC man receives 18-month sentence in first-ever music stream fraud case
- Spotify Strengthens AI Protections …
- Spotify to label ‘AI personas,’ exclude AI music from personal recommendations
- AI Persona badges on Spotify
So entsteht diese Reihe
So entsteht diese Reihe: Stefan Margenfeld recherchiert und schreibt jede Folge und verantwortet sie redaktionell. Die Erzählstimme ist ein KI-Klon seiner eigenen Stimme, gebaut aus Aufnahmen, die er eigens dafür gemacht hat. Die Szenen sind nachgestellt: Die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden und sprechen mit KI-Stimmen. Reale Personen kommen nur im Erzähltext und in historischen Originaltönen vor; keinem von ihnen legt die Reihe mit einer KI-Stimme Worte in den Mund. Die Musik ist eigens mit KI erzeugt, die Produktion ist KI-gestützt. Woher jede historische Angabe und jeder Originalton stammt, steht auf der Seite der jeweiligen Folge. Stimmtechnik: ElevenLabs.
- Recherche, Text und redaktionelle Verantwortung
- Stefan Margenfeld
- Erzählstimme
- KI-Klon der Stimme von Stefan Margenfeld
- Szenen
- nachgestellt; die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden, ihre Stimmen KI-generiert
- Musik
- eigens mit KI erzeugt
- Stimmtechnik
- ElevenLabs
- Produktion
- KI-gestützt; Sankt Wendel, Oktober 2026
Weiterdenken · Aus dem Journal
- Output wird billig – Wirkung nicht
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