Podcast Nostalgie und KI Folge 4
Videothek, Netflix und KI-Filme: Bitte zurückspulen
In der Videothek empfahl ein Mensch hinter dem Tresen den Film. Heute schlägt ein Algorithmus vor, und KI erzeugt die Bilder inzwischen selbst.
Kapitel Videothek und VHS, 1987
00:00 23:04
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Produziert mit KI Recherche und Text von Stefan Margenfeld, erzählt von einem KI-Klon seiner Stimme. Alle Stimmen sind KI-generiert, die Musik ist mit KI erzeugt, die Produktion ist KI-gestützt. Die Szenen sind nachgestellt, die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden.
Worum es geht
Die Folge reicht von der Videothek in Kassel, die als älteste der Welt gilt und 1975 anfing, über VHS, Jugendschutz und den Vorhang für Erwachsene bis zu mehr als 9.000 Videotheken im Jahr 1991. Dann kommen Netflix und der Empfehlungsalgorithmus, Mediatheken und Werbung im Abo und schließlich KI-Videos aus Programmen wie Sora und Veo, der Hollywood-Streik von 2023 und eine KI-Schauspielerin, die es nicht gibt. Dazu Szenen der Familie Behrens und ihres Videothekars Rudi, von 1987 bis 2026.
Themen dieser Folge
- Videothek
- VHS
- Videorekorder
- Netflix
- Streaming
- Algorithmus
- Empfehlungen
- Mediathek
- Tatort
- Blockbuster
- KI-Filme
- KI-Videos
- Sora
- Hollywood-Streik
Kapitel
- 00:00 Videothek und VHS, 1987 abspielen
- 04:08 Videothekensterben und Netflix abspielen
- 06:22 Netflix-Algorithmus statt Videothekar abspielen
- 08:55 Mediathek, Werbung im Abo abspielen
- 14:25 2026: KI-Filme ohne Kamera abspielen
- 17:08 Hollywood-Streik und KI-Schauspielerin abspielen
- 20:55 Zurück zur Scheibe abspielen
Fragen zur Folge
Wie viele Videotheken gab es in Deutschland?
1991, kurz nach der Wiedervereinigung, waren es mehr als 9.000, Anfang der 2000er Jahre noch rund 6.000. Im Jahr des Netflix-Starts in Deutschland, 2014, zählte der Branchenverband 1.544 Videotheken, 2019 noch 345.
Wie viel schauen Netflix-Nutzer auf Empfehlung?
Laut einem Fachartikel zweier Netflix-Manager von 2015 beginnen etwa 80 Prozent aller gestreamten Stunden mit einer Empfehlung. Nach 60 bis 90 Sekunden verliert ein typisches Mitglied das Interesse.
Was wurde aus der Sora-App?
OpenAI brachte Sora 2 Ende September 2025 als eigene App heraus, kündigte im März 2026 ihr Ende an und schaltete sie Ende April ab. In der Europäischen Union war sie offiziell nie verfügbar.
Transkript
Das Transkript folgt dem Skript, die Zeiten stammen aus der Spracherkennung. Die Erzählstimme ist ein KI-Klon der Stimme von Stefan Margenfeld, die Szenen sind mit KI-Stimmen nachgestellt. Ein Klick auf eine Zeit spielt die Stelle ab. Als Datei: WebVTT · SRT
00:00 Videothek und VHS, 1987
00:03 Erzähler Nostalgie und KI. Jede Zukunft hat eine Vergangenheit. Folge 4: Bitte zurückspulen. Von Stefan Margenfeld.
00:12 Produziert mit KI.
00:20 Samstagabend, kurz vor acht. Hinter dem Tresen steht ein Mensch, der weiß, was man sehen will.
00:26 Videothekar Dann nimm den hier. Hat keiner ausgeliehen, ist aber der beste Film im Laden.
00:31 Erzähler Heute weiß es eine Maschine, angeblich besser. Sie schlägt vor, sie malt jedem sein eigenes Filmplakat, und inzwischen erzeugt sie die Bilder auch selbst.
00:41 Diese Folge erzählt von der Videothek, von dem Algorithmus, der sie abgelöst hat, vom Fernsehen auf Abruf und von Filmen, für die keine Kamera mehr läuft.
00:55 Videothekar Na, Thomas. Wieder was mit Explosionen?
00:58 Thomas Eigentlich wollte ich mal was anderes.
01:00 Videothekar Dann nimm den hier. Hat keiner ausgeliehen, ist aber der beste Film im Laden.
01:04 Thomas Und wenn er mir nicht gefällt?
01:05 Videothekar Dann bringst du ihn zurück und sagst mir, warum. Zurückgespult, bitte.
01:09 Thomas Mach ich, Rudi.
01:12 Erzähler Im Sommer 1975 beginnt in Kassel ein Mann namens Eckhard Baum, Super-8-Filme zu verleihen, zuerst an Freunde. Er nennt seinen Laden Videothek. 1998 bestätigt das Guinness-Buch, dass es die älteste Videothek ist. Sie gilt heute als die älteste der Welt. 2016 hat sie noch rund 13.000 Filme im Regal.
01:35 Die Geräte dafür haben anfangs nur wenige. Ende 1982 beschäftigt sich der Bundestag mit dem neuen Medium. In seinen Unterlagen steht, dass 1980 rund 400.000 Videorekorder verkauft wurden, 1981 rund 950.000, 1982 voraussichtlich 1,2 Millionen. Trotzdem steht noch nicht einmal in jedem 10. Haushalt ein Gerät. Die Abgeordneten rechnen damit, dass sich das schnell ändert. Bis 1986, so heißt es, könnte jeder 2. bis 3. Haushalt einen Rekorder haben. Fast die Hälfte der verkauften Kassetten gehört damals zu den Genres Horror, Krieg und Action.
02:19 Um die Kassette selbst wird gestritten. 1979 stellen Philips und Grundig auf der Funkausstellung in Berlin Video 2000 vor, eine Kassette, die man wenden kann wie eine Schallplatte, mit 2 mal 4 Stunden Spielzeit. Daneben kämpft Sony mit Betamax um die Wohnzimmer. Ende der 80er Jahre hat das japanische VHS-System über 93 Prozent des Marktes. Die Wendekassette aus Europa wird 1988 eingestellt.
02:51 Mit den Kassetten kommt die Angst. Im Juni 1984 zeigt das ZDF die Dokumentation Mama, Papa, Zombie. Darin werden Eltern Szenen aus einem italienischen Horrorfilm vorgeführt, und die Kamera filmt ihre Gesichter. Heute gilt die Sendung als einseitig und reißerisch. Damals trifft sie einen Nerv.
03:14 Der Gesetzgeber reagiert. Am 1. April 1985 tritt ein neues Jugendschutzgesetz in Kraft. Indizierte und pornografische Kassetten dürfen nur noch dort verliehen werden, wo Kinder und Jugendliche weder hinkommen noch hineinsehen können. So entsteht in vielen Videotheken der abgetrennte Bereich für Erwachsene, oft hinter einem Vorhang.
03:37 Was damals als gefährlich galt, ändert sich mit der Zeit. Der Horrorfilm Tanz der Teufel kommt 1984 in die Kinos und auf Kassette, wird indiziert und beschlagnahmt. 2016 heben die Gerichte die Beschlagnahme auf, die Prüfstelle gibt ihn ungekürzt ab 16 frei. Später läuft er bei Netflix.
03:59 Videothekar Eine Mark extra. Nicht zurückgespult.
04:02 Kunde Das ist doch nur ein Knopf.
04:04 Videothekar Eben. Und den hat der Nächste dann auch.
04:08 Videothekensterben und Netflix
04:08 Erzähler Die Mark für das Nichtzurückspulen gab es in manchen Videotheken wirklich. Bitte zurückspulen, das stand auf Aufklebern und Schildern. Es war die Höflichkeit gegenüber dem Nächsten, der dieselbe Kassette am Abend ausleihen würde.
04:22 Die Videothek wird zum Treffpunkt. Man geht nicht nur hin, um etwas auszuleihen. Man trifft Bekannte, man lässt sich beraten, man streitet über Filme. Der Filmwissenschaftler Nils Peiler beschreibt sie als einen Ort, an dem man zusammenkam und sich beraten ließ. In Saarbrücken hat das Filmhaus mit dem Projekt Soyuz Video zeitweise eine Videothek im Stil der 80er Jahre nachgebaut. 1991, kurz nach der Wiedervereinigung, gibt es in Deutschland mehr als 9.000 davon. Anfang der 2000er Jahre sind es noch rund 6.000, 2009 rund 2.600.
04:59 In den Vereinigten Staaten beantragt die Kette Blockbuster im September 2010 Insolvenz. Eine einzige Filiale überlebt, in Bend im Bundesstaat Oregon. Seit März 2019 ist sie die letzte ihrer Art auf der Welt. Ihr Leitspruch steht noch immer auf den Plakaten: Be kind, please rewind.
05:21 Am 16. September 2014 startet Netflix in Deutschland. Kein Tresen mehr, keine Öffnungszeiten, kein Vorhang und keine Mark für das Nichtzurückspulen. Im selben Jahr zählt der Branchenverband noch 1.544 Videotheken, 2019 sind es 345. Zwischen 2015 und 2017 halbieren sich Kundschaft und Umsatz fast, von 4,8 auf 2,6 Millionen Kunden. Danach zählt niemand mehr. Den Verband gibt es nicht mehr.
05:57 2016. Rudi schließt seine Videothek. Thomas Behrens ist 53 und kommt ein letztes Mal vorbei.
06:06 Videothekar Thomas. Du kommst gerade richtig. Nimm mit, was du willst.
06:09 Thomas Du machst wirklich zu?
06:11 Videothekar Seit alle streamen, kommt keiner mehr. Hier, der von damals. Den musst du nicht mal zurückspulen.
06:17 Thomas Und wer sagt mir jetzt, was ich sehen soll?
06:19 Videothekar Frag den Computer.
06:22 Netflix-Algorithmus statt Videothekar
06:21 Erzähler Was den Videothekar ausmachte, versucht Netflix früh nachzubauen. Am 2. Oktober 2006 schreibt das Unternehmen einen Wettbewerb aus. Es stellt 100 Millionen Bewertungen zur Verfügung, von rund 480.000 Nutzern zu 17.770 Filmen. Wer die eigene Empfehlungsformel um 10 Prozent verbessert, bekommt 1 Million Dollar. Im September 2009 gewinnt ein Team mit 10,06 Prozent. Netflix baut die Siegerlösung nie vollständig ein. Der technische Aufwand lohnt sich nicht.
06:59 Trotzdem wird die Maschine zum wichtigsten Mitarbeiter. 2015 schreiben 2 Netflix-Manager in einem Fachartikel, dass etwa 80 Prozent aller gestreamten Stunden mit einer Empfehlung beginnen. Personalisierung und Empfehlungen sparen dem Unternehmen nach eigener Rechnung mehr als 1 Milliarde Dollar im Jahr, weil weniger Kunden kündigen. Und sie haben wenig Zeit. Nach 60 bis 90 Sekunden verliert ein typisches Mitglied das Interesse.
07:28 Seit 2017 sieht nicht mehr jeder dasselbe Filmplakat. Netflix wählt das Vorschaubild für jeden Zuschauer einzeln. Wer gern Liebesfilme schaut, sieht bei Good Will Hunting ein Paar, das sich küsst. Wer Komödien mag, sieht Robin Williams. Bei YouTube gehen nach Angaben des Unternehmens von 2018 mehr als 70 Prozent der Sehzeit auf Empfehlungen zurück. Im April 2025 testet Netflix in Australien und Neuseeland eine neue Suche mit einem Sprachmodell. Man sagt ihr einfach, worauf man gerade Lust hat.
08:03 Die Auswahl wird damit nicht leichter. 2023 misst das Marktforschungsunternehmen Nielsen, dass Zuschauer im Schnitt 10,5 Minuten suchen, bevor sie etwas starten. 2019 waren es noch gut 7 Minuten. Jeder 5. gibt ganz auf und schaltet ab, weil er nichts findet. Die Zahl der einzelnen Titel auf den Plattformen steigt in dieser Zeit auf über 2,7 Millionen.
08:29 In Deutschland zahlen inzwischen 3 von 4 Haushalten für mindestens einen Streamingdienst.
08:37 Es gibt sie noch, die Videothek als Ort. Das Videodrom in Berlin-Kreuzberg verleiht seit rund 40 Jahren Filme, inzwischen Zehntausende Titel. Wo früher 10 Menschen arbeiteten, sind es heute 2. Die Kundschaft komme wegen der Empfehlungen, sagt der Betreiber.
08:55 Mediathek, Werbung im Abo
08:57 Erzähler 2021. Sonntagabend bei Thomas Behrens, Viertel nach acht. Seine Tochter Lina ist 14.
09:05 Thomas Lina? Kommst du? Der Tatort fängt an.
09:08 Lina Den guck ich später.
09:09 Thomas Später läuft er aber nicht mehr.
09:11 Lina Doch. In der Mediathek. Da läuft er, wann ich will.
09:15 Thomas Und wann hast du das letzte Mal richtig Fernsehen geguckt?
09:18 Lina Weiß nicht. Silvester?
09:20 Thomas Dann sitz ich hier wohl allein.
09:21 Lina Du kannst ihn ja morgen mit mir gucken.
09:24 Erzähler Was bei den Behrens am Sonntagabend passiert, zeigen ein paar Jahre später die Zahlen der Fernsehforschung. 2025 sieht jeder in Deutschland im Schnitt 158 Minuten am Tag klassisch fern, 13 Minuten weniger als im Jahr davor. Von den 14- bis 29-Jährigen schaltet an einem gewöhnlichen Tag nur noch knapp jeder Vierte ein. 80 Prozent der Fernsehzeit entfallen inzwischen auf Menschen ab 50.
09:53 Ein Teil der Zeit bleibt bei den Sendern, nur nicht mehr zur festen Uhrzeit. Die ARD Mediathek kommt 2025 auf 200 Millionen Minuten am Tag, das Streamingportal des ZDF auf 167 Millionen. Der Tatort bringt es in den Mediatheken auf über 4 Milliarden Minuten im Jahr. RTL+ hat Mitte 2026 mehr als 7,6 Millionen Abos. Doch alles zusammen, was die Fernsehforschung an Streaming misst, ergibt nur 8 Minuten pro Kopf und Tag. Die Verluste beim klassischen Fernsehen gleicht das noch nicht aus.
10:32 Um die Zuschauer wird hart gekämpft. Im Februar 2025 zeigt Joyn, die Plattform von ProSiebenSat.1, plötzlich auch Sendungen aus den Mediatheken von ARD und ZDF, ohne die Sender zu fragen. Der ARD-Vorsitzende Florian Hager spricht von Raubrittertum, das ZDF zieht vor Gericht. Im März nimmt Joyn die Sendungen wieder heraus. Im Juli 2026 einigen sich ZDF und Joyn dann doch. Noch in diesem Jahr sollen ZDF-Sendungen dort laufen, kostenlos und ohne Werbung.
11:06 Februar 2024. Bei den Behrens läuft eine Serie. Mitten in der Folge kommt plötzlich etwas ganz anderes.
11:16 Thomas Was ist denn jetzt? Werbung?
11:19 Lina Ja. Seit dieser Woche.
11:21 Thomas Ich zahl doch dafür.
11:22 Lina Ohne Werbung kostet jetzt extra.
11:24 Thomas Dann ist das ja wie früher im Fernsehen.
11:27 Erzähler Die Werbung im Abo gibt es wirklich. Seit Februar 2024 läuft bei Prime Video für alle Werbung, wer sie nicht sehen will, zahlt 2,99 Euro im Monat mehr. Das Landgericht München hält das im Dezember 2025 für unzulässig, das Bayerische Oberste Landesgericht im Juli 2026 für zulässig. Rechtskräftig ist keines der beiden Urteile. Netflix bietet schon seit November 2022 ein Abo mit Werbung an. Und auf vielen Fernsehern laufen wieder Sender mit festem Programm, kostenlos und mit Werbung, in Westeuropa über 7.500. Das Streaming wird dem Fernsehen ähnlicher.
12:08 Auch beim Zuschauen hilft inzwischen eine KI, nicht immer zuverlässig. Im November 2025 testet Amazon in den Vereinigten Staaten Zusammenfassungen, die eine KI aus den Folgen einer Serie erstellt. Die Zusammenfassung zur Serie Fallout verlegt eine Rückblende in die 1950er Jahre. Tatsächlich spielt sie im Jahr 2077. Amazon nimmt sie vor dem Start der zweiten Staffel wieder vom Netz.
12:39 Die Mediatheken setzen ebenfalls auf Empfehlungen. Seit Oktober 2023 verweisen ARD und ZDF in ihren Angeboten aufeinander. Seit März 2025 bekommt im Streamingportal des ZDF jeder eine eigene Startseite.
12:58 Ob Empfehlungen den Geschmack verengen, ist schwer zu messen. Eine Studie mit Daten von Spotify kommt 2020 zu einem Befund. Wer vor allem hört, was der Algorithmus vorschlägt, hört weniger vielfältig. Wer vielfältiger wird, sucht sich seine Musik meist selbst aus. Für Filme gibt es eine so solide Untersuchung bislang nicht.
13:20 Bei Videos geht es um mehr als Geschmack. 2021 wertet die Mozilla-Stiftung Meldungen über Videos aus, die Nutzer im Nachhinein bereuten. Mehr als 37.000 Menschen hatten das Meldewerkzeug installiert. 71 Prozent der bereuten Videos hatte YouTube ihnen selbst vorgeschlagen.
13:40 Die Europäische Union zieht eine Konsequenz. Seit dem 25. August 2023 müssen die größten Plattformen eine Auswahl anbieten, die ohne persönliches Profil auskommt. TikTok und Meta führen für Europa Feeds ein, die nicht personalisiert sind. Netflix lässt seine Mitglieder seit Februar 2020 immerhin die automatisch startenden Vorschauen abschalten.
14:05 Und das Kino? 2019 lösen die Deutschen 118,6 Millionen Kinokarten, 2025 sind es 91,9 Millionen. Den Abend vor der Leinwand, gemeinsam mit Fremden, gibt es noch. Er ist nur seltener geworden.
14:25 2026: KI-Filme ohne Kamera
14:26 Erzähler 2026. Thomas Behrens ist 63. Sonntagabend, Sofa, Fernbedienung.
14:34 Lina Weil du Stirb langsam gesehen hast. Schon wieder.
14:38 Thomas Früher hat mir das einer gesagt, der mich kannte.
14:41 Lina Der Algorithmus kennt dich auch.
14:43 Thomas Der kennt meine Klicks. Rudi kannte mich.
14:45 Lina Papa, wir suchen seit zwanzig Minuten.
14:48 Thomas Siehst du.
14:50 Erzähler Inzwischen soll die Maschine nicht nur auswählen. Sie soll die Bilder selbst machen. Im Februar 2024 zeigt OpenAI erste Videos aus seinem Programm Sora, erzeugt aus einer Textbeschreibung. Im Mai 2025 stellt Google Veo 3 vor, das zu den Bildern auch Dialog, Geräusche und Musik erzeugt. Ende September 2025 bringt OpenAI Sora 2 als eigene App heraus. Im Dezember kündigt Disney eine Investition von 1 Milliarde Dollar an.
15:24 Dann geht es schnell. Im März 2026 kündigt OpenAI das Ende der App an, Ende April ist sie abgeschaltet, im September folgt die Schnittstelle für Entwickler. Der Disney-Deal, der mehr als 200 Figuren in die App bringen sollte, platzt. Nach Berichten floss vorher kein Geld. Die Sora-App hat keine 7 Monate gelebt. In der Europäischen Union war sie offiziell nie verfügbar.
15:51 Die Studios nutzen die Technik trotzdem. Im Sommer 2025 bestätigt Netflix-Chef Ted Sarandos, dass in der argentinischen Serie El Eternauta erstmals generative KI für eine Szene eingesetzt wurde, ein einstürzendes Haus in Buenos Aires. Sie sei zehnmal schneller fertig gewesen als mit klassischen Effekten. Das Studio Lionsgate lässt sich schon 2024 ein eigenes Modell bauen, trainiert auf seinem Katalog von über 20.000 Titeln. Es ist der erste öffentlich bekannte Vertrag eines großen Studios mit einem Start-up für KI-Videos. Ein Animationsfilm, der weitgehend mit KI entsteht und von OpenAI unterstützt wird, soll Anfang 2027 ins Kino kommen. Zu sehen waren davon bislang nur erste Ausschnitte.
16:40 Andere klagen. Im Juni 2025 verklagen Disney und Universal den Bildgenerator Midjourney. In der Klageschrift heißt es, das Programm sei ein bodenloses Fass des Plagiats.
16:56 Lina Guck mal. Ein Wal im Stadtpark, bei Sonnenuntergang.
16:59 Thomas Wer hat das gedreht?
17:01 Lina Keiner. Hab ich mir gerade ausgedacht.
17:03 Thomas Und wo war die Kamera?
17:05 Lina Papa. Es gibt keine Kamera.
17:08 Hollywood-Streik und KI-Schauspielerin
17:08 Erzähler Solche Clips entstehen inzwischen in Minuten. Für die Menschen, die bisher Filme gemacht haben, ist das eine Existenzfrage. 2023 streiken in Hollywood die Drehbuchautoren 148 Tage lang, die Schauspielerinnen und Schauspieler 118 Tage. Am Ende stehen Regeln für die KI. Ein digitales Abbild darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung und gegen Bezahlung entstehen. Eine KI darf nicht als Autorin gelten.
17:39 Im September 2025 stellt eine Londoner Produktionsfirma eine Schauspielerin vor, die es nicht gibt. Sie heißt Tilly Norwood und ist vollständig von einer KI erzeugt. Die Schauspielgewerkschaft erklärt knapp, Tilly Norwood sei keine Schauspielerin. Keine große Agentur nimmt sie unter Vertrag. Die Debatte darüber, ob eine erfundene Figur einer echten Schauspielerin eine Rolle wegnehmen darf, ist damit eröffnet.
18:07 Auch in Deutschland zeigen sich die Risiken. Im Februar 2026 laufen im heute journal des ZDF in einem Beitrag KI-erzeugte Videosequenzen, ohne dass sie gekennzeichnet sind. Dazu kommt altes Bildmaterial von 2022. Der Intendant spricht von einem gravierenden Vorfall, der Sender legt ein Programm mit 5 Punkten auf. Seit August 2026 schreibt das europäische KI-Gesetz vor, täuschend echte KI-Bilder als solche kenntlich zu machen.
18:41 Wohin das führen kann, zeigt eine Firma aus San Francisco. 2023 erzeugt Fable Studio mit einem eigenen Modell 9 inoffizielle Folgen im Stil der Serie South Park. Nach Angaben der Firma werden sie über 80 Millionen Mal aufgerufen. Ende Juli 2025 öffnet sie ihre Plattform Showrunner für alle. Dort kann jeder per Texteingabe eigene Zeichentrickfolgen erzeugen. Kurz darauf steigt Amazon über einen Investmentfonds ein. Im Januar 2026 kündigt die Firma an, die verlorenen 43 Minuten aus einem Film von Orson Welles von 1942 mit KI zu rekonstruieren. Der Nachlass von Welles nennt das einen Werbegag.
19:29 Auch die großen Anbieter bauen um. Im August 2025 schreibt Netflix seinen Produktionsfirmen 5 Regeln für den Umgang mit KI vor. Fremde geschützte Werke dürfen nicht kopiert werden, Leistungen von Schauspielern nicht ohne Zustimmung nachgebildet. Im Juli 2026 meldet das Unternehmen generative KI bei rund 300 Titeln, vor allem in der Nachbearbeitung. Ab 2026 sollen Werbespots laufen, die eine KI an die Welt der jeweiligen Serie anpasst.
20:03 Die Stimmen ändern sich ebenfalls. Seit Dezember 2024 spricht YouTube die Videos von Hunderttausenden Kanälen automatisch in andere Sprachen nach, auch ins Deutsche. Im März 2025 testet Amazon bei 12 Filmen und Serien eine Synchronisation, deren erste Fassung eine KI erzeugt und die Fachleute danach prüfen.
20:27 Und manchmal ist jeder Film ein anderer. Eine Dokumentation über den Musiker Brian Eno wird seit 2024 bei jeder Vorführung von einem Programm neu zusammengesetzt. Kein Publikum sieht genau dieselbe Fassung. Netflix-Chef Ted Sarandos bleibt trotzdem vorsichtig. Im August 2026 sagt er, viele Menschen lehnten Geschichten aus der KI ab, weil ihnen die Menschlichkeit fehle.
20:55 Zurück zur Scheibe
20:55 Erzähler Es gibt eine kleine Gegenbewegung. In den Vereinigten Staaten schrumpft der Verkauf von DVDs und Blu-rays 2025 nur noch um 9 Prozent, nach 23 Prozent im Jahr davor. Für hochauflösende 4K-Discs geben die Menschen sogar 12 Prozent mehr aus als im Vorjahr. Das ist wenig gegen das Streaming, das über 92 Prozent der Ausgaben fürs Heimkino ausmacht. Aber es ist ein Zeichen. Die Videothek Vidiots in Los Angeles meldet für Januar 2026 den besten Monat ihrer Geschichte, mit 170 Ausleihen am Tag.
21:34 Der Videothekar kannte seine Kundschaft. Er wusste, wer schon alles mit Explosionen gesehen hatte und wer bereit war für etwas anderes. Er konnte sich irren, und man konnte ihm das am nächsten Samstag sagen.
21:49 Der Algorithmus kennt die Klicks von Millionen. Er weiß, was man wahrscheinlich anschaut, und er hat dafür 60 bis 90 Sekunden. Die nächste Maschine erzeugt vielleicht gleich den Film, den man sehen will, nur für einen selbst.
22:03 Bitte zurückspulen, das war die Bitte, an den Nächsten zu denken. Die Kassette gehörte allen, nacheinander. In einer Welt, in der jeder seinen eigenen Film bekommt, gibt es keinen Nächsten mehr, der dieselbe Kassette sieht. Und niemanden, der fragt, warum er einem nicht gefallen hat.
22:26 Nostalgie und KI. Folge 4: Bitte zurückspulen. Die Szenen dieser Folge sind nachgestellt, die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden. Die historischen Angaben und ihre Quellen finden Sie in den Shownotes. Ein Feature von Stefan Margenfeld. Alle Stimmen sind KI-generiert, die Produktion ist KI-gestützt. Sankt Wendel, Oktober 2026.
22:52 In der nächsten Folge: ein Dia-Abend bei Familie Behrens.
Quellen
Was die Folge über Geschichte und Gegenwart erzählt, ist recherchiert und belegt. Diese 99 Quellen liegen den Aussagen zugrunde; Links öffnen in einem neuen Fenster, die Wiedergabe läuft weiter.
- Facing up to the inevitable
- Video rental shop
- Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der SPD-Fraktion: Jugendgefährdung durch Videoprogramme mit Horror-, kriegsverherrlichenden, gewaltverherrlichenden und pornographischen Filmen (Drucksache 9/2302)
- en.wikipedia.org/wiki/Video_2000
- Was wurde eigentlich aus Betamax und Video 2000
- Mama, Papa, Zombie – Horror für den Hausgebrauch
- Mama, Papa, Zombie – Horror für den Hausgebrauch
- Beschlußempfehlung und Bericht des Ausschusses für Jugend, Familie und Gesundheit zum Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung des Jugendschutzes in der Öffentlichkeit (Drucksache 10/2546)
- Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und FDP: Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung des Jugendschutzes in der Öffentlichkeit (Drucksache 10/722)
- Nach Aufhebung des Verbots: „Tanz der Teufel“ erscheint ungekürzt mit FSK-Freigabe ab 16 Jahren für das Heimkino
- Sony: „Tanz der Teufel“ nicht mehr beschlagnahmt
- Diese Woche neu auf Netflix: Jahrelang verbotener Horror-Meilenstein völlig ungekürzt, exklusive Action mit Mark Wahlberg & mehr
- Wunderland
- Videotheken in Deutschland: Was der Unterschied zum Streaming war
- Letztes Zucken des Dinos: Videotheken-Branche schrumpft rasant weiter
- Niedergang der Videotheken: Verband sieht Piraterie als Hauptgrund
- Sterbende Branche: Nur noch 440 Videotheken in Deutschland
- Be Kind, Please Rewind: Oregon Blockbuster is last on Earth
- Videotheken: Blockbuster ist pleite
- Netflix launches its movie and TV streaming service in Germany
- Netflix startet heute in Deutschland – Gratis-Probemonat
- Netflix Prize
- Update: Netflix announces exactly who won that $1,000,000 prize
- Why Netflix Never Implemented The Algorithm That Won The Netflix $1 Million Challenge
- The Netflix Recommender System: Algorithms, Business Value, and Innovation
- Artwork Personalization at Netflix
- YouTube Says 70% Of All Watch Time Is Driven By Its Own Recommendations
- YouTube’s AI is the puppet master over most of what you watch
- Nielsen’s State of Play Report Delivers New Insights as Streaming’s Next Evolution Brings Content Discovery Challenges for Viewers
- Drei von vier Haushalten in Deutschland haben mindestens einen Streamingdienst abonniert
- Videothekar: „Kunden kommen wegen unseren Empfehlungen“
- OpenAI’s Sora was the creepiest app on your phone – now it’s shutting down
- OpenAI sets two-stage Sora shutdown with app closing April 2026 and API following in September
- OpenAI’s newest model Sora can generate videos – and they look decent
- OpenAI is launching the Sora app, its own TikTok competitor, alongside the Sora 2 model
- Disney signs deal with OpenAI to allow Sora to generate AI videos featuring its characters
- Google shows AI filmmaking tool, XR glasses and launches $250 Gemini subscription
- Disney pulls out of OpenAI partnership after Sora app and API gets killed just months after launch
- Netflix starts using GenAI in its shows and films
- Netflix uses generative AI in one of its shows for first time
- Runway Partners with Lionsgate
- Lionsgate Inks Deal With Runway to Use Gen AI for Filmmakers
- Disney and Universal sue AI image company Midjourney for unlicensed use of Star Wars, The Simpsons and more
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- SAG-AFTRA Approves Deal to End Historic Strike
- SAG-AFTRA Deal Reached: Studios, Union Agree on Contract Terms
- Artificial Intelligence (Know Your Rights)
- Could ‘the next Scarlett Johansson or Natalie Portman’ be an AI avatar?
- Tilly Norwood, fully AI ‘actor,’ blasted by actors union SAG-AFTRA for ‘devaluing human artistry’
- Eline Van Der Velden, Founder Of AI Indie Particle6, Launches AI Talent Studio Xicoia For “Hyperreal Digital Stars”
- The Real Hollywood AI Stakes Behind Tilly Norwood
- ZDF reagiert mit Fünf-Punkte-Programm auf KI-Fehler
- ZDF informiert über Aufarbeitung von Fehlern im „heute journal“ vom 15. Februar 2026
- EU AI Act Omnibus Agreement – Postponed High-Risk Deadlines and Other Key Changes
- Article 50: Transparency Obligations for Providers and Deployers of Certain AI Systems
- Why ‘Critterz’ Is The Real Test Of AI Filmmaking
- AI Assisted Animated Film ‘Critterz,’ From the Writers of ‘Paddington in Peru,’ Boarded by AGC
- Algorithmic Effects on the Diversity of Consumption on Spotify
- YouTube Regrets: Findings
- An update on fulfilling our commitments under the Digital Services Act
- Meta confirms AI ‘off-switch’ incoming to Facebook, Instagram in Europe
- New Features and Additional Transparency Measures as the Digital Services Act Comes Into Effect
- Coming soon to TikTok in Europe: A ‘For You’ feed without the TikTok algorithm
- Here’s How to Shut Off Netflix Autoplay Previews
- FFA legt Kinobilanz vor: Gutes Kinojahr 2025 dank deutscher Filme
- Geschäftsbericht 2019 (FFA-Geschäfts- und Förderbericht)
- Netflix test AI search powered by OpenAI for natural language-based queries
- Amazon invests in make-your-own animated series creator Showrunner
- Amazon’s Alexa Fund Invests in ‘Netflix of AI’ Start-Up Fable, Which Launches Showrunner: A Tool for User-Directed TV Shows
- AI firm plans to reconstruct ‘lost’ footage from Orson Welles’ ‘The Magnificent Ambersons’
- Orson Welles’ Estate Disgusted by Amazon Remaking His Movie Using AI
- Amazon Alexa Fund backs Fable — the ‘Netflix of AI’ — where users create TV shows with prompts
- Netflix publishes a policy for GenAI in content production
- Netflix says it has used generative AI in about 300 titles
- Q2 2026 Letter to Shareholders
- Netflix rolls out in-house ad platform with GenAI in the works
- YouTube says hello, hola, and नमस्ते by expanding auto-dubbing to educational creators
- Prime Video begins AI dubbing trial
- New with every view: Eno and the generative algorithm shaking up movie-making
- Netflix Co-CEO Ted Sarandos Talks AI: From Saving on Reshoots to the Current “Lack of Humanity” in AI Storytelling
- Streaming remains on top, but 4K Blu-ray is making a comeback
- TV- und Video-Bilanz 2025: Nutzung differenziert sich weiter aus – lineares Fernsehen bleibt bei bewährten Inhalten ein zentraler Bezugspunkt
- Tendenzen im Zuschauerverhalten. Nutzungsgewohnheiten und Reichweiten im Jahr 2025 (Media Perspektiven 12/2026)
- RTL TV ad revenue drops 4% to €977m as digital advertising gains 10.9%
- Rückzug von Joyn: Mediatheken von ARD und ZDF wieder entfernt
- ARD gegen Joyn: Rechtsstreit erreicht neues Level
- Hessischer Rundfunk übernimmt ARD-Vorsitz
- Mehr Vielfalt im Streaming: ZDF-Inhalte künftig auch auf Joyn
- Nach „Raubrittertum“-Eklat: ZDF und Joyn besiegeln Streaming-Pakt für das duale System
- Netflix: Heute startet das Werbe-Abo für 4,99 Euro pro Monat
- Urteil gegen Amazon: Einführung von Werbung bei Prime Video war unzulässig
- Pressemitteilung 11 vom 17. Juli 2026: Einführung von Werbung bei Amazon Prime Video
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So entsteht diese Reihe
So entsteht diese Reihe: Stefan Margenfeld recherchiert und schreibt jede Folge und verantwortet sie redaktionell. Die Erzählstimme ist ein KI-Klon seiner eigenen Stimme, gebaut aus Aufnahmen, die er eigens dafür gemacht hat. Die Szenen sind nachgestellt: Die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden und sprechen mit KI-Stimmen. Reale Personen kommen nur im Erzähltext und in historischen Originaltönen vor; keinem von ihnen legt die Reihe mit einer KI-Stimme Worte in den Mund. Die Musik ist eigens mit KI erzeugt, die Produktion ist KI-gestützt. Woher jede historische Angabe und jeder Originalton stammt, steht auf der Seite der jeweiligen Folge. Stimmtechnik: ElevenLabs.
- Recherche, Text und redaktionelle Verantwortung
- Stefan Margenfeld
- Erzählstimme
- KI-Klon der Stimme von Stefan Margenfeld
- Szenen
- nachgestellt; die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden, ihre Stimmen KI-generiert
- Musik
- eigens mit KI erzeugt
- Stimmtechnik
- ElevenLabs
- Produktion
- KI-gestützt; Sankt Wendel, Oktober 2026
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