Podcast Nostalgie und KI Folge 5
Dia-Abend und KI-Fotos: Licht aus, Projektor an
Beim Dia-Abend zeigte jedes Bild, was vor der Linse war. Heute öffnet das Handy per KI geschlossene Augen und setzt Menschen ins Foto, die nie drauf waren.
Kapitel Dia-Abend, 1978
00:00 18:13
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Produziert mit KI Recherche und Text von Stefan Margenfeld, erzählt von einem KI-Klon seiner Stimme. Alle Stimmen sind KI-generiert, die Musik ist mit KI erzeugt, die Produktion ist KI-gestützt. Die Szenen sind nachgestellt, die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden.
Worum es geht
Die Folge erzählt vom Diaabend im westdeutschen Wohnzimmer, von Kodak, Agfa und dem Kodachrome, vom Carousel-Projektor mit Rundmagazin und vom Ende des Diafilms. Dann geht es um die Flut der Handyfotos und um KI-Bildbearbeitung, von Deep Nostalgia bis zu Funktionen, die den Fotografen ins Gruppenbild einfügen. Die Gedächtnisforschung zeigt, dass bearbeitete Bilder falsche Erinnerungen wecken können. Dazu Szenen der Familie Behrens, 1978 und 2026, mit den Dias von Werner Behrens.
In der Folge scannt Lina die Dias ihres Großvaters ein. Was nach dem Digitalisieren alter Dias heute möglich ist, reicht bis zu Bildern von Momenten, die es so nie gab.
Themen dieser Folge
- Dia-Abend
- Diaabend
- Dias
- Diaprojektor
- Kodak Carousel
- Kodachrome
- Agfa
- Diafilm
- Handyfotos
- KI-Fotos
- Bildbearbeitung
- Deep Nostalgia
- falsche Erinnerungen
- Google Fotos
Kapitel
Fragen zur Folge
Wann wurde der letzte Kodak-Carousel-Projektor gebaut?
Kodak kündigte im September 2003 das Ende der Diaprojektoren an; am 22. Oktober 2004 lief in Rochester der letzte Carousel vom Band. Den Kodachrome stellte Kodak am 22. Juni 2009 ein, nach 74 Jahren.
Können bearbeitete Fotos falsche Erinnerungen erzeugen?
Ja. 2002 zeigte eine Gruppe um die Psychologin Kimberley Wade Versuchspersonen ein montiertes Kinderfoto im Heißluftballon, und die Hälfte entwickelte ganz oder teilweise eine Erinnerung an die Fahrt. 2024 fand eine Gruppe am Massachusetts Institute of Technology, dass kurze KI-Videos aus bearbeiteten Fotos gut doppelt so viele falsche Erinnerungen erzeugen wie in der Vergleichsgruppe.
Wie viele Fotos entstehen heute?
Ein Marktforschungsunternehmen schätzt für 2025 weltweit rund 1,9 Billionen Fotos, ein Fotoportal kommt auf 2,1 Billionen, die meisten mit dem Smartphone. In einer Bitkom-Umfrage von 2022 sagten 44 Prozent, dass sie sich die meisten ihrer Handyfotos später kaum noch anschauen.
Transkript
Das Transkript folgt dem Skript, die Zeiten stammen aus der Spracherkennung. Die Erzählstimme ist ein KI-Klon der Stimme von Stefan Margenfeld, die Szenen sind mit KI-Stimmen nachgestellt. Ein Klick auf eine Zeit spielt die Stelle ab. Als Datei: WebVTT · SRT
00:00 Dia-Abend, 1978
00:03 Erzähler Nostalgie und KI. Jede Zukunft hat eine Vergangenheit. Folge 5: Licht aus, Projektor an. Von Stefan Margenfeld.
00:13 Produziert mit KI.
00:19 Ein Sonntagabend im Sommer 1978. Die Gardinen werden zugezogen, die Stühle stehen im Halbkreis, und an der Wand erscheint der Gardasee.
00:30 Werner Nur ein Magazin. Achtzig Stück.
00:33 Erzähler Damals zeigte ein Dia, was vor der Linse war. Heute zeigt ein Foto auch, was hätte sein können. Das Telefon öffnet geschlossene Augen und setzt Menschen ins Bild, die nie drauf waren.
00:45 Lina Jetzt ist Opa mit drauf. Am Gardasee.
00:48 Erzähler Diese Folge erzählt vom Dia-Abend und vom Ende des Diafilms, von der Flut der Handyfotos und von Erinnerungen, an denen eine Maschine mitarbeitet. Die Forschung zeigt: Ein bearbeitetes Foto kann Erinnerungen an etwas wecken, das nie geschehen ist.
01:08 Werner So. Licht aus. Gisela, machst du die Gardine zu?
01:12 Gisela Wie viele sind es heute, Werner?
01:14 Werner Nur ein Magazin. Achtzig Stück.
01:16 Thomas Achtzig?
01:17 Werner Das hier ist Riva, vom Schiff aus. Und das … Moment. Das steht auf dem Kopf.
01:23 Gisela Lass doch. Man erkennt den See trotzdem.
01:25 Werner Nein. Das machen wir ordentlich.
01:27 Thomas Papa, warum bist du eigentlich auf keinem Bild?
01:30 Werner Weil ich fotografiert habe.
01:33 Erzähler Solche Abende gab es in vielen westdeutschen Wohnzimmern. Man baute die Leinwand auf, verdunkelte den Raum und rückte die Stühle zurecht. Dann kamen die Bilder vom letzten Urlaub, eins nach dem anderen, und der Fotograf erzählte dazu. Und eine Regel galt fast immer: Wer die Kamera hielt, fehlte auf den eigenen Bildern. Manche liebten diese Abende. Andere fürchteten sie. Die Zeitschrift Macwelt erinnert sich 2022 an langweilige Bilderreihen von Eseln, Steinen und Bäumen. Im Rückblick, schreibt sie, überwiege aber meist das Positive.
02:12 Der Volkskundler Michael Geuenich hat an der Universität Münster untersucht, wie Familien in der Bundesrepublik zwischen den 50er und den 80er Jahren ihre eigenen Filme gedreht haben. Ähnlich wie das Wort Dia-Abend, schreibt er, setzt auch das Wort Familienfilm einen inneren Projektor in Gang. Das Filmen verbindet er mit der wachsenden Freizeit dieser Jahre und mit dem Glauben an den Fortschritt.
02:38 Es gab auch Kritik. 1991 schreibt eine Autorin in der taz über Dia-Abende, die sie hierzulande als Gast erlebt hat. Auf Ferienstrände und Paläste folgen Schnappschüsse von Bettlern, Wellblechbuden und Kindern. Sie zieht eine Linie zur Fotografie der Kolonialzeit. Ihr Text heißt Der indiskrete, böse Blick.
03:02 Kodachrome und Diaprojektor
03:03 Erzähler Angefangen hat es mit einem Versprechen. 1888 bringt der Amerikaner George Eastman eine Kamera heraus, die er Kodak nennt. Sie ist mit Film für 100 Aufnahmen geladen. Ist der Film voll, schickt man die ganze Kamera ins Werk und bekommt die Bilder zurück. Der Werbespruch heißt übersetzt: Sie drücken den Knopf, wir erledigen den Rest. Im Februar 1900 folgt die Brownie für 1 Dollar. Fotografieren wird zu etwas, das jeder kann.
03:33 In Deutschland ist der wichtigste Name Agfa. Das Unternehmen entsteht 1867 bei Berlin, als Gesellschaft für Anilinfabrikation, und stellt zunächst Farbstoffe her. 1873 wird daraus eine Aktiengesellschaft. Einer der Gründer ist Paul Mendelssohn Bartholdy, ein Sohn des Komponisten. 1936 bringt Agfa einen neuen Farbfilm heraus, gefertigt in Wolfen. Nach dem Krieg demontiert die Sowjetunion dort einen großen Teil der Filmanlagen und bringt sie in die Ukraine. 1964 geht Agfa mit der belgischen Firma Gevaert zusammen.
04:13 Der wohl berühmteste Diafilm kommt aus Amerika. 1935 bringt Kodak den Kodachrome heraus. Erfunden haben ihn 2 Musiker, Leopold Godowsky und Leopold Mannes. Ihr Spitzname: God and Man, Gott und Mensch. Ab 1936 gibt es den Film auch für Kleinbildkameras.
04:36 Für den Abend im Wohnzimmer fehlt noch ein Gerät. 1961 bringt Kodak den Carousel heraus, einen Projektor mit einem runden Magazin, das man von oben aufsetzt. Das Patent erhält der Kodak-Designer David Hansen. Die Grundidee stammt von einem italoamerikanischen Erfinder, Louis Misuraca, der sie Kodak für eine einmalige Zahlung verkauft.
05:00 Die deutsche Fassung baut Kodak in Stuttgart. 1963 entwerfen Hans Gugelot und Reinhold Häcker für die Kodak AG den Carousel S. Gugelot schrägt die Kanten des Magazins ab und setzt einen Deckel aus Plexiglas gegen den Staub darauf. Gedacht ist dieser Projektor für den europäischen Markt. Heute steht er in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York.
05:24 Die Konkurrenz ist groß. Agfa baut Projektoren der Reihe Diamator. Dazu kommen Geräte von Leitz, Braun aus Nürnberg, Rollei, Reflecta und Voigtländer. Der Dia-Abend hat seine Maschinen.
05:40 Thomas Sind das alle, die du gemacht hast?
05:42 Werner Fünf Filme. Gezeigt wird das Beste.
05:45 Gisela Und der Rest?
05:46 Werner Liegt im Schrank. Den will keiner sehen.
05:50 Digitalkamera und Handyfotos
05:50 Erzähler Wer Dias zeigte, hatte vorher ausgewählt. Jeder Film kostete Geld, jede Entwicklung auch. Genau das ändert sich, und zwar ausgerechnet bei Kodak. 1975 baut dort ein junger Ingenieur namens Steve Sasson die erste tragbare Digitalkamera. Sie wiegt 3,6 Kilo und macht Schwarzweißbilder mit 100 mal 100 Bildpunkten. Ein Bild auf Kassette zu speichern dauert 23 Sekunden.
06:20 Fast 30 Jahre später ist bei Kodak Schluss mit dem Projektor. Im September 2003 kündigt das Unternehmen das Ende an. Die Begründung: Diaprojektoren würden immer weniger genutzt, andere Projektionstechniken hätten sie abgelöst. Am 22. Oktober 2004 läuft in Rochester der letzte Carousel vom Band.
06:43 Bei Agfa trifft es gleich die ganze Fotosparte. Agfa-Gevaert verkauft sie im November 2004 an eine Gruppe von Investoren, das Management kauft mit. Die neue Firma AgfaPhoto meldet im Mai 2005 Insolvenz an, nach nicht einmal 7 Monaten.
07:01 Am 22. Juni 2009 stellt Kodak den Kodachrome ein, nach 74 Jahren. Die letzte Rolle belichtet der Fotograf Steve McCurry. In Parsons im Bundesstaat Kansas entwickelt zuletzt nur noch ein einziges Labor auf der Welt Kodachrome. Es nimmt Filme bis zum 30. Dezember 2010 an und arbeitet sie bis zum 18. Januar 2011 ab. Ein Jahr später, im Januar 2012, beantragt Kodak Gläubigerschutz.
07:33 Heute fotografiert fast jeder, fast immer. Ein Marktforschungsunternehmen schätzt, dass 2025 weltweit rund 1,9 Billionen Fotos entstehen, die meisten davon mit dem Smartphone. Ein Fotoportal im Netz kommt auf 2,1 Billionen und einen Smartphone-Anteil von 94 Prozent. Rein rechnerisch sind das mehr als 60.000 Fotos in jeder Sekunde. Es sind Schätzungen.
08:02 Was aus den Bildern wird, hat der Digitalverband Bitkom 2022 gefragt. 44 Prozent sagen, dass sie sich die meisten ihrer Handyfotos später kaum noch anschauen. Weniger als ein Zehntel mistet regelmäßig aus. Das gedruckte Bild gibt es trotzdem. 2022 werden in Deutschland Fotobücher für 381 Millionen Euro verkauft.
08:28 Und das Fotografieren kann das Erinnern verändern. Ende 2013 veröffentlicht die Psychologin Linda Henkel eine Studie. Sie hat Versuchspersonen durch ein Kunstmuseum führen lassen. Manche Stücke sollten sie nur anschauen, andere fotografieren. An die fotografierten Stücke erinnern sie sich später schlechter. Sie erkennen weniger davon wieder und wissen weniger Einzelheiten. Ausnahme: Wer gezielt auf ein Detail zoomt, behält das Stück so gut wie ohne Kamera, auch die Teile, die gar nicht im Bild waren.
09:03 2026: Bildbearbeitung per KI
09:04 Erzähler 2026. Thomas Behrens ist 63. Die Dia-Kästen seines Vaters stehen jetzt bei ihm im Wohnzimmer.
09:13 Lina Papa, was ist das alles?
09:16 Thomas Opas Dias. Das hier ist Gardasee, achtundsiebzig. Ein Magazin, achtzig Stück.
09:22 Lina Achtzig? Ich hab dreißigtausend auf dem Handy.
09:25 Thomas Und wie viele davon hast du dir zweimal angeschaut?
09:29 Erzähler Lina scannt ein paar Dias ein. Programme, die alte Bilder auffrischen, gibt es seit einigen Jahren. Im Februar 2020 startet die Ahnenforschungsplattform MyHeritage eine Funktion, die Schwarzweißfotos automatisch einfärbt. Am 25. Februar 2021 folgt Deep Nostalgia. Das Programm bewegt die Gesichter auf alten Fotos. Die Augen blinzeln, der Kopf dreht sich, ein Lächeln entsteht. Nach Angaben des Unternehmens entstehen in 11 Tagen 26 Millionen solcher Animationen, in 18 Tagen 50 Millionen. Sprechen lässt das Programm die Gesichter bewusst nicht, um Missbrauch zu verhindern.
10:12 Dann ziehen die Telefone nach. Im Oktober 2023 bringt Google mit dem Pixel 8 eine Funktion namens Best Take. Aus mehreren Gruppenfotos setzt sie ein Bild zusammen, auf dem niemand blinzelt. Im Januar 2024 kann das Galaxy S24 von Samsung Motive im Bild verschieben und den Hintergrund auffüllen. Die Bilder bekommen ein Wasserzeichen, das sich mit Samsungs eigenem Radierer allerdings wieder entfernen lässt. Ein Samsung-Manager sagt im Februar 2024 in einem Interview, so etwas wie ein echtes Foto gebe es gar nicht.
10:51 Lina Papa, komm mal. Jetzt ist Opa mit drauf. Am Gardasee.
10:55 Thomas Er war aber nicht drauf. Er hat fotografiert.
10:58 Lina Er war doch dabei.
11:00 Thomas So war das nicht. Aber so hätte es sein können.
11:04 Erzähler Was Lina gerade gemacht hat, ist für neue Fotos inzwischen eine Taste. Im August 2024 bringt Google mit dem Pixel 9 die Funktion Add Me. Sie fügt den Fotografen aus einer zweiten Aufnahme ins Gruppenbild ein. Eine andere Funktion verändert Bildteile per Textbefehl, aus einem trüben Himmel wird ein Sonnenuntergang. Apple bringt im Oktober 2024 ein Werkzeug, das störende Dinge aus Fotos entfernt, seit Ende März 2025 auch auf Deutsch. Dazu baut das iPhone aus der eigenen Fotosammlung einen Rückblick-Film mit Musik, nach einer Beschreibung in einem Satz.
11:44 Für alte Bilder genügt ein Bildgenerator. Im September 2025 verbreitet sich im Netz ein Trend. Aus 2 Fotos erzeugt ein Bildmodell von Google ein Bild im Stil eines Sofortbilds. Darauf umarmt man sich selbst als Kind.
12:02 Falsche Erinnerungen
12:02 Erzähler Das klingt harmlos. Die Gedächtnisforschung sieht es anders. 1995 erzählen die Psychologinnen Elizabeth Loftus und Jacqueline Pickrell 24 Versuchspersonen von einem Erlebnis, das es nie gab. Sie hätten sich mit 5 Jahren in einem Einkaufszentrum verlaufen. Etwa ein Viertel glaubt danach, sich daran zu erinnern.
12:25 2002 zeigt eine Gruppe um die Psychologin Kimberley Wade Versuchspersonen ein montiertes Kinderfoto. Darauf sitzen sie in einem Heißluftballon. Die Hälfte entwickelt ganz oder teilweise eine Erinnerung an diese Fahrt. Es braucht nicht einmal ein falsches Bild. 2004 erzählen Forscher um Stephen Lindsay ihren Versuchspersonen von einem Streich in der ersten Klasse, den es nie gab. Zeigt man ihnen dazu ihr echtes Klassenfoto, erinnern sich rund 65 Prozent. Ohne Foto sind es 23 Prozent.
13:00 2024 untersucht eine Gruppe am Massachusetts Institute of Technology gemeinsam mit Elizabeth Loftus, was KI-bearbeitete Bilder bewirken. Am stärksten wirken kurze KI-Videos, erzeugt aus einem bearbeiteten Foto. Mit ihnen entstehen gut doppelt so viele falsche Erinnerungen wie in der Vergleichsgruppe, und die Teilnehmenden sind sich dieser Erinnerungen auch sicherer.
13:26 Am weitesten geht die Technik dort, wo jemand fehlt. Im Februar 2020 zeigt ein südkoreanischer Fernsehsender die Dokumentation Meeting You. Eine Mutter begegnet in einer virtuellen Welt einem digitalen Abbild ihrer Tochter, die 2016 mit 7 Jahren gestorben ist. In China bieten Firmen inzwischen Avatare von Verstorbenen an. Laut einem Bericht des amerikanischen öffentlichen Radios kostet der einfachste Avatar bei einem dieser Anbieter 199 Yuan, umgerechnet rund 30 Dollar. Dafür reicht weniger als eine Minute Video und Ton in guter Qualität.
14:07 Ein Forschungsteam der Universität Cambridge, von dem schon in der ersten Folge die Rede war, warnt 2024 vor solchen Angeboten. Es spricht von digitalen Heimsuchungen und fordert, dass man die Programme wieder abschalten kann. Als würdigen Abschied bringt es sogar eine Art digitale Beerdigung ins Gespräch.
14:28 Es gibt auch die andere Seite. In Barcelona erzeugt das Kollektiv Domestic Data Streamers Bilder von Erinnerungen, die nie fotografiert wurden. Gedacht sind sie für alte Menschen und Menschen mit Demenz, aber auch für Menschen, die ihre Heimat verlassen haben. 2024 betreibt das Kollektiv dort einige Monate lang ein Bürgerbüro für Erinnerungen, unterstützt von der Stadt. Dabei entstehen 245 Bilder. Das Projekt heißt Synthetic Memories, künstliche Erinnerungen.
15:02 Echt oder gemacht?
15:02 Lina Soll ich dir das mit Opa ausdrucken? Fürs Wohnzimmer.
15:06 Thomas Nimm lieber das echte.
15:07 Lina Da ist er doch gar nicht drauf.
15:09 Thomas Eben. So war es.
15:12 Erzähler Damit stellt sich eine alte Frage neu: Ist ein Bild echt oder gemacht? 2023 fragt der Bitkom nach. 70 Prozent meinen, Fotos und Videos könne man heute nicht mehr trauen. 81 Prozent glauben, eine Fälschung nicht erkennen zu können. 84 Prozent wollen eine Pflicht zur Kennzeichnung.
15:35 Die Industrie arbeitet an einer Art Beipackzettel für Bilder. 2021 gründen Adobe, Microsoft, Intel, der öffentliche Rundfunk Großbritanniens und andere eine Initiative für einen gemeinsamen Standard. Er soll festhalten, woher ein Bild kommt und was damit gemacht wurde.
15:55 Im Oktober 2024 kündigt Google an, dass seine App Google Fotos künftig anzeigt, wenn ein Bild mit den hauseigenen KI-Werkzeugen bearbeitet wurde. Bei einigen dieser Werkzeuge stand ein solcher Vermerk schon vorher in der Bilddatei. Das Unternehmen weist selbst darauf hin, dass sich diese Angaben ändern oder entfernen lassen. Im August 2025 kommt das Pixel 10. Nach Angaben des Herstellers ist es das erste Telefon, das jedes Foto aus der Kamera mit einem Herkunftsnachweis nach dem gemeinsamen Standard der Industrie versieht. Und seit August 2026 müssen täuschend echte KI-Bilder in der Europäischen Union gekennzeichnet sein.
16:39 Der Dia-Abend hatte Regeln. Einer hatte fotografiert und ausgewählt, die anderen saßen im Dunkeln und schauten. 80 Bilder, eins nach dem anderen, mit Werners Stimme dazu. Was nicht gut war, blieb im Schrank.
16:54 Inzwischen macht fast jeder, der ein Smartphone hat, damit Fotos. Fast jeder Zweite schaut sich die meisten davon später kaum noch an. Und die Maschine bessert nach. Sie öffnet geschlossene Augen und holt den Fotografen ins Bild.
17:08 Ein Dia ist ein Stück Film, auf das an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort Licht gefallen ist. Es konnte auf dem Kopf stehen. Aber es zeigte, was vor der Linse war. Werner Behrens ist auf keinem seiner Bilder. Vielleicht ist genau das die ehrlichste Erinnerung an ihn.
17:32 Nostalgie und KI. Folge 5: Licht aus, Projektor an. Die Szenen dieser Folge sind nachgestellt, die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden. Die historischen Angaben und ihre Quellen finden Sie in den Shownotes. Ein Feature von Stefan Margenfeld. Alle Stimmen sind KI-generiert, die Produktion ist KI-gestützt. Sankt Wendel, Oktober 2026.
17:59 In der nächsten Folge: ein Katalog mit fast tausend Seiten und ein Bestellschein.
Quellen
Was die Folge über Geschichte und Gegenwart erzählt, ist recherchiert und belegt. Diese 83 Quellen liegen den Aussagen zugrunde; Links öffnen in einem neuen Fenster, die Wiedergabe läuft weiter.
- Kodak Introduces Brownie Cameras
- de.wikipedia.org/wiki/Agfa
- en.wikipedia.org/wiki/Agfa
- chemie.de/lexikon/Agfa.html
- deutsche-biographie.de/sfz70642.html
- de.wikipedia.org/wiki/Filmfabrik_Wolfen
- en.wikipedia.org/wiki/ORWO
- Historische Stätten der Chemie: Industrie- und Filmmuseum Wolfen
- en.wikipedia.org/wiki/Kodachrome
- NIHF Inductee Leopold Godowsky and Kodachrome Film Processing
- NIHF Inductee Leopold Mannes Invented Kodachrome Film
- en.wikipedia.org/wiki/Carousel_slide_projector
- HfG-Archiv Ulm
- moma.org/collection/works/3342
- de.wikipedia.org/wiki/Agfa_Camerawerk_München
- wahrscheinlich
- uni-muenster.de/Kulturanthropologie/Institut/Geuenich.html
- uni-muenster.de/imperia/md/content/volkskunde/forschung/ka_ee_dissertationen_aktuell_geuenich.pdf
- macwelt.de/article/1421109
- Sind Diaabende tot?
- taz.de/DER-INDISKRETE-BOeSE-BLICK/!1694995/
- Milestones:Handheld Digital Camera, 1975
- Kodak Confirms Plans To Stop Making Slide Projectors
- The Final Click
- The End of the Carousel Slide Projector?
- AgfaPhoto files for insolvency
- en.wikipedia.org/wiki/AgfaPhoto
- de.wikipedia.org/wiki/AgfaPhoto
- Goodbye Kodachrome: Last Processing Facility Discontinues Support
- The End of an Era: Steve McCurry and the Final Roll of Kodachrome Film
- Sorry, Paul Simon, Kodak’s axing Kodachrome
- Kodachrome's road ends at Kansas photo lab
- AP/Wichita Eagle
- Kodak files for bankruptcy
- phototrend.fr/en/2025/06/more-than-2-trillion-photos-taken-in-2025/
- photutorial.com/photos-statistics
- riseaboveresearch.com/rar-reports/2025-worldwide-image-capture-forecast-2024-2029/
- Rise Above Research estimates more than 2.5 trillion images will be taken worldwide in 2029
- Smartphone-Aufnahmen geraten häufig in Vergessenheit
- foto-contact.de/video-stuetzt-foto-und-imaging-markt-2022/ (6.3.2023)
- bindereport.de/piv-jaehrliches-fotobuch-wachstum/
- No Pictures, Please: Taking Photos May Impede Memory of Museum Tour
- Point-and-shoot memories: the influence of taking photos on memory for a museum tour
- Colorize your black and white photos automatically with MyHeritage In Color™
- New: Introducing Deep Nostalgia™ — Animate the Faces in Your Family Photos
- Deep Nostalgia™ Reaches Milestone of 26 Million Animations!
- 50 Million Animations Created with Deep Nostalgia™!
- Google announces AI-powered photo-editing features for new Pixel phones
- Samsung Galaxy S24 will watermark all images edited with AI tools
- Samsung Galaxy S24's AI photo watermark feature has a glaring flaw
- Samsung Argues That There is ‘No Such Thing as a Real Picture’
- Google Pixel 9 Magic Editor, Add Me and AI Camera explained
- store.google.com/intl/en/ideas/articles/magic-editor/
- blog.google/products/pixel/google-pixel-9-pro-xl/ (13.8.2024)
- apple.com/newsroom/2025/03/apple-intelligence-features-expand-to-new-languages-and-regions-today/
- en.wikipedia.org/wiki/IOS_18
- Apple Intelligence release date — here's when all the AI features are coming
- iOS 18.1 is finally here — 5 Apple Intelligence features you need to try first
- Gemini Hug My Younger Self Trend: How To Give My Younger Self A Hug
- en.wikipedia.org/wiki/Lost_in_the_mall_technique
- A picture is worth a thousand lies: Using false photographs to create false childhood memories
- Can We Believe Our Memories?
- arxiv.org/abs/2409.08895
- DOI 10.1145/3706598.3713697
- Emotional documentary explores new compassionate possibilities of VR
- npr.org/2024/07/18/nx-s1-5040583
- text.npr.org/nx-s1-5040583
- cam.ac.uk/research/news/call-for-safeguards-to-prevent-unwanted-hauntings-by-ai-chatbots-of-dead-loved-ones
- 'Digital afterlife': Call for safeguards to prevent unwanted 'hauntings' by AI chatbots of dead loved ones
- Zeitraum Mai bis Juli, 245
- Stadt Barcelona
- beim Gegenlesen nicht abrufbar, 403
- The Citizens' Office of Synthetic Memories
- Could AI help elderly people and refugees reconstruct unrecorded pasts?
- This 'Photo' Was Made From an 84-Year-Old Woman's Memory
- Täuschend echt, aber alles Lüge: 63 Prozent haben Angst vor Deepfakes
- Adobe co-founds the Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA) standards organization
- blog.google/products/photos/ai-editing-transparency/
- support.google.com/photos/answer/15532903
- 10 things to know about the camera on Pixel 10
- How Pixel and Android are bringing a new level of trust to your images with C2PA Content Credentials
- Pixel 10 fights AI fakes with new Android photo verification tech
- New EU guidance on AI transparency: what should companies be doing from 2 August 2026
So entsteht diese Reihe
So entsteht diese Reihe: Stefan Margenfeld recherchiert und schreibt jede Folge und verantwortet sie redaktionell. Die Erzählstimme ist ein KI-Klon seiner eigenen Stimme, gebaut aus Aufnahmen, die er eigens dafür gemacht hat. Die Szenen sind nachgestellt: Die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden und sprechen mit KI-Stimmen. Reale Personen kommen nur im Erzähltext und in historischen Originaltönen vor; keinem von ihnen legt die Reihe mit einer KI-Stimme Worte in den Mund. Die Musik ist eigens mit KI erzeugt, die Produktion ist KI-gestützt. Woher jede historische Angabe und jeder Originalton stammt, steht auf der Seite der jeweiligen Folge. Stimmtechnik: ElevenLabs.
- Recherche, Text und redaktionelle Verantwortung
- Stefan Margenfeld
- Erzählstimme
- KI-Klon der Stimme von Stefan Margenfeld
- Szenen
- nachgestellt; die Familie Behrens und alle anderen Figuren sind erfunden, ihre Stimmen KI-generiert
- Musik
- eigens mit KI erzeugt
- Stimmtechnik
- ElevenLabs
- Produktion
- KI-gestützt; Sankt Wendel, Oktober 2026
Weiterdenken · Aus dem Journal
- Es gab nie ein goldenes Zeitalter der Echtheit
Jedes Foto ist eine Auswahl: ein Essay darüber, was sich an der Echtheit von Bildern durch KI wirklich ändert.
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