Eine E-Mail ist kein Liebesbrief

„KI ja – aber die Mitarbeiter schreiben ihre E-Mails noch selbst." Diesen Satz höre ich gerade oft. In ihm steckt eine Entscheidung, die kaum jemand ausspricht – und mehr Tragweite, als sie meint.

Was schützen wir eigentlich, wenn wir die Künstliche Intelligenz aus unserer E-Mail heraushalten wollen?

Ich höre gerade einen Satz immer wieder. Ich sitze nicht in diesen Unternehmen — aber ich höre ihn aus ihnen heraus: in Gesprächen, auf Bühnen, in dem, was Menschen weitertragen, sobald es um KI geht. Er geht so: „KI können wir machen. Aber mir ist wichtig, dass die Mitarbeiter ihre E-Mails noch selbst schreiben.”

Mal heißt es E-Mail. Mal heißt es: Die Konzepte müssen von Menschen kommen. Mal: Die wichtigen Texte schreiben wir selbst. Es ist immer derselbe Satz, nur das Objekt wechselt. Ich höre ihn so oft, weil ich mich mit strategischer Kommunikation beschäftige — also horche ich auf, wenn er fällt. Die E-Mail ist dabei nur das handlichste Beispiel. Gemeint ist mehr. Gemeint ist der ganze Stapel, mit dem ein Unternehmen denkt und spricht: Mails, Texte, Konzepte, Entscheidungen. Bleiben wir trotzdem bei der E-Mail. An ihr lässt sich alles zeigen.

Ich mag den Satz. Wirklich. Er hat eine Haltung, und Haltung ist mir lieber als Begeisterung ohne Grund. Und trotzdem werde ich ihn nicht los. Weil ich den Verdacht habe, dass darin mehr entschieden wird, als die Person meint, die ihn sagt. Also lassen Sie mich beides ernst nehmen. Erst die Sympathie. Dann den Verdacht.

Der Anlass: Der Spiegel hat sich gerade entschieden

Ich schreibe das nicht im luftleeren Raum. Gerade hat der Spiegel beschlossen, dass keine KI mehr seine Texte schreiben oder umschreiben darf. Chefredakteur Dirk Kurbjuweit hat dafür ein einziges Wort aus den Redaktionsrichtlinien gestrichen. Bisher war KI erlaubt, solange ein Text „maßgeblich” von Menschen kam. Das „maßgeblich” ist jetzt weg.

Spannend ist, wie er die Debatte dahinter beschreibt. Lang. Hitzig. Zwei Lager. Auf der einen Seite die, die er „Autobauer” nennt: Leute, die ihren Text selbst bauen wollen, von vorn bis hinten. Auf der anderen Seite die „TÜV-Fraktion”: Leute, die KI schreiben lassen und das Ergebnis danach prüfen und freigeben würden. Kurbjuweit hat sich für die Autobauer entschieden.

Sie merken, warum mich das aufhorchen lässt. Das sind genau die zwei Lager, um die es auch im Unternehmen geht, wenn jemand sagt, die Mitarbeiter sollen ihre E-Mails noch selbst schreiben. Selber bauen, oder prüfen und freigeben. Ich komme darauf zurück. Vorher aber muss ich die Frage stellen, die der Spiegel für sich längst beantwortet hat.

Erst die Frage, die zu selten gestellt wird: Was ist eine E-Mail überhaupt?

Bevor ich darüber urteile, ob eine Maschine an einer E-Mail mitschreiben darf, will ich wissen, wovon wir reden. Und das ist gar nicht so klar. Eine E-Mail ist nämlich nicht eine Sache. Sie ist viele.

Da ist die E-Mail, in der es um zwei Menschen geht. Die private Nachricht. Der Gruß zum Geburtstag. Der Liebesbrief an die Partnerin, von mir aus. So etwas würde ich nicht ungeprüft einer KI überlassen. Nicht aus Prinzip. Sondern weil hier etwas anderes auf dem Spiel steht als Information.

Ein Geschenk wirkt in zwei Richtungen. Es tut etwas mit dem, der es bekommt. Und es tut etwas mit dem, der es macht. Gebe ich den Brief an den Menschen, den ich liebe, aus der Hand, egal an wen, dann verschenke ich nicht das Ergebnis. Ich verschenke, dass ich es selbst getan habe. Das war der eigentliche Beweis. Hier zählt die Herkunft. Das ist keine Frage von Effizienz. Das ist Provenienz.

Über diese Frage habe ich an anderer Stelle länger geschrieben. Kurz gesagt: Echtheit ist keine Eigenschaft des Mediums, sondern eine Beziehung. Zwischen Quelle, Kontext und dem, was ich erwarten darf. Es gab nie ein goldenes Zeitalter der Echtheit, in dem alles rein und unberührt war. Es gab immer nur die Frage, was an dieser Stelle, in diesem Moment, zu Recht erwartet wird. Beim Liebesbrief erwarte ich die Hand des Menschen. Und das ist auch richtig so.

Dann gibt es die andere E-Mail. Die geschäftliche. Und da verschiebt sich alles.

Im Geschäftlichen liegen die Dinge anders

Den Reflex verstehe ich hier sofort. Natürlich müssen Informationen stimmen. Natürlich darf nichts Sensibles, nichts Falsches, nichts Halbgares raus. Dafür haben wir uns Menschen — als prüfende Schicht. Das ist richtig, und das bleibt richtig.

Nur: Zwischen „der Mensch prüft” und „die Maschine darf gar nichts” liegt ein weiter Raum. Und ich beobachte, dass wir diesen Raum zu schnell zumachen. Wer die KI grundsätzlich aus dem Mailverkehr heraushält, schützt sich vielleicht vor einem Risiko. Er verschenkt aber auch etwas. Die Chance nämlich, einen Gedanken klarer zu ordnen. Ein bisschen mehr vom Gegenüber her gedacht. Etwas weniger umständlich.

Und seien wir ehrlich über den Zustand unserer geschäftlichen Post. Wir verlabern uns. Wir schreiben lange Mails, längere Dokumente und noch längere Konzepte, in denen die eigentliche Aussage irgendwo in der Mitte vergraben liegt. Und dann passiert das, worüber kaum jemand spricht: Die KI auf der anderen Seite kürzt das Ganze sowieso wieder ein. Ob heimlich am Schreibtisch oder im freigegebenen Tool des Hauses, spielt keine Rolle. Meine drei Absätze werden zu drei Zeilen, bevor mein Adressat sie überhaupt liest.

Da liegt für mich die Pointe. Wir streiten, ob am Anfang eine Maschine mitschreiben durfte. Und übersehen, dass am Ende fast immer eine mitliest.

Studio-Stillleben: ein einzelner Geschäftsbrief-Umschlag steht aufrecht auf reinem Weiß und wirft einen harten Schlagschatten in Form eines Vorwärts-Pfeils. Khaki-Lichtkante.
Am Ende liest fast immer eine Maschine mit — und hat den Daumen auf der Weiterschalttaste.

Im Radio habe ich über zwanzig Jahre lang gelernt, dass man in den ersten Sekunden gesagt haben muss, worum es geht. Sonst schaltet der Hörer weg, und zwar ohne schlechtes Gewissen. Der Posteingang ist nichts anderes. Nur dass dort heute eine Maschine den Daumen auf der Weiterschalttaste hat. Die Kunst ist also nicht, die KI fernzuhalten. Die Kunst ist, neu zu denken, was eine geschäftliche E-Mail eigentlich leisten soll. Weniger Text, mehr Aussage. Reichweite ist Output. Wirkung ist Outcome. Im Posteingang gilt nichts anderes.

Der Denkfehler steckt im Wort „echt”

Jetzt der Punkt, an dem ich widersprechen muss.

Unter dem schönen Satz liegt oft eine leise Annahme. Sie lautet: Was die KI berührt hat, ist nicht mehr echt. Keine echte Leistung. Irgendwie gefälscht. Das klingt nach Schutz von Authentizität. Es ist in Wahrheit eine Sackgasse.

Denn wenn ich Menschen für den Umgang mit KI-Werkzeugen in die Verantwortung nehme, und das tun wir, mit gutem Grund, dann gehe ich davon aus, dass geprüft wurde. Verantwortung und Prüfung sind dasselbe von zwei Seiten. Von vornherein zu unterstellen, alles, was eine KI angefasst hat, sei ab jetzt Fälschung und keine Leistung mehr, ist nicht fair gegenüber den Leuten, die diese Werkzeuge sauber führen. Und es ist teuer.

Die Branche, die ihre Plakate gegen KI-Bilder verteidigt, ahnt dabei etwas Wahres. Menschen schätzen erkennbaren Aufwand. Der Tagesspiegel Background hat Anfang 2026 in einem Gastbeitrag etwas Verwandtes zusammengetragen: Wo Anstrengung sichtbar wird, steigt die Bereitschaft, einer Marke zu vertrauen und bei ihr zu kaufen. Authentizität hängt eben nicht am Wie allein. Sie hängt am Wer. Da stimme ich zu. Bloß folgt daraus nicht, dass jedes Werkzeug die Echtheit zerstört. Es folgt, dass Herkunft und Verantwortung sichtbar bleiben müssen.

Wie absurd die andere Lesart wird, führt das Magazin KOM in einer kleinen Szene vor. Da rät ein selbsternannter Personal-Branding-Experte, man solle seine mit KI geschriebenen Beiträge mit ein, zwei absichtlichen Tippfehlern garnieren, dann fühle sich der Text „authentischer” an. Jemand aus dem Publikum legt nach: Er nehme immer die Gedankenstriche raus, damit keiner die Maschine merkt. Das ist die Echtheit, die wir bekommen, wenn wir „echt” mit „unberührt von KI” verwechseln. Inszenierte Schludrigkeit. Ein Tippfehler ist noch kein Charakter.

Jetzt raus aus der Philosophie, rein in den Markt

Bis hierhin könnte man das alles für Geschmack halten. Jedes Haus darf entscheiden, wie es arbeiten will. Und ich gehe gar nicht erst in die Philosophie eines einzelnen Unternehmens. Mir geht es um etwas Nüchterneres. Um eine Sorge in der Marktbetrachtung.

Denn inzwischen ist ziemlich klar, wer in Unternehmen die KI besonders gern und besonders breit einsetzt. Es sind nicht die, die Digitalem ohnehin mit Misstrauen begegnen. Es sind die digitalaffinen Leistungsträger.

Eine Gallup-Erhebung von Ende 2025 zeigt das deutlich. In Technologie und IT nutzen rund drei von vier Beschäftigten KI in ihrer Rolle. In Finanzen und professionellen Diensten mehr als die Hälfte. Im Einzelhandel ist es ein Drittel, im Gesundheitswesen und in der Produktion gut vier von zehn. McKinsey beschreibt in seinem State of AI die „High Performer” als die Organisationen, die KI nicht zum Sparen einsetzen, sondern um zu wachsen und Abläufe neu zu bauen. Und gerade die haben klar geregelt, wann ein Ergebnis durch einen Menschen muss. Der PwC AI Jobs Barometer 2026 misst beim oberen Fünftel der am stärksten KI-exponierten Unternehmen ein Produktivitätswachstum, das den Rest weit hinter sich lässt. Die prüfende Schicht Mensch verschwindet bei den Besten also nicht. Sie wird ernster genommen.

Und diese Leute sitzen längst in Ihrem Haus. Sie nutzen KI bereits, ob freigegeben oder nicht. Die Zahlen zur sogenannten Shadow AI sind da unmissverständlich. UpGuard meldete im November 2025, dass rund vier von fünf Beschäftigten nicht freigegebene KI-Werkzeuge verwenden. Eine Studie der Software AG kommt auf die Hälfte. Cybernews kommt bei Führungskräften und leitenden Managern sogar auf über neunzig Prozent. Und wer das sperrt, gewinnt damit keine Kontrolle zurück: Fast die Hälfte würde die Werkzeuge selbst bei einem ausdrücklichen Verbot einfach weiternutzen, nur unauffälliger. IBM hat sogar ausgerechnet, dass eine Datenpanne über Shadow AI im Schnitt teurer wird als eine über die offiziellen Wege.

Lesen Sie das ruhig zweimal.

Der Spiegel hat recht. Nur über etwas anderes.

Und damit zurück zum Spiegel. Hat Kurbjuweit sich geirrt? Nein. Für ein Menschenmedium ist die Entscheidung richtig. Denn dort ist das Schreiben das Produkt. Der Text ist die Leistung, die Hand ist die Ware. Kurbjuweit beruft sich sogar auf eine Studie, auf die die Financial Times verwiesen hat: Sieben von zehn Lesern ist es lieber, wenn beim Verfassen keine KI im Spiel war. Das ist der Liebesbrief, im Maßstab einer ganzen Redaktion. Der Leser erwartet die menschliche Hand. Und er bekommt sie. Richtig so.

Aber genau das ist die Grenze. Ein Spiegel-Essay ist keine Quartalsmail. Was der Spiegel schützt, ist seine Identität, sein „Gemüt”, das, wofür die Leute ihn überhaupt kaufen. Eine interne Statusmail schützt keine Identität. Sie transportiert eine Information. Wer den Spiegel-Beschluss nimmt und ihn eins zu eins auf den Posteingang seines Unternehmens legt, verwechselt den Liebesbrief mit der Quartalsmail.

Und noch etwas steht in diesem Leitartikel, das gern überlesen wird. Selbst der Spiegel zieht kein Reinheitsgebot. „Weder Roboter noch Reinheitsgebot”, schreibt Kurbjuweit. KI bleibt erlaubt fürs Übersetzen, fürs Prüfen von Fakten, für die Auswertung großer Datenmengen. Ausnahmen werden gekennzeichnet. Das Haus, das den menschlichen Text am entschlossensten verteidigt, behauptet eben nicht, alles, was KI berührt, sei gefälscht. Es unterscheidet nach Schöpfungstiefe. Mehr habe ich oben nicht verlangt.

Der Satz entscheidet mehr, als er sagt

Ich halte die Haltung trotzdem für legitim. Das will ich ausdrücklich sagen, weil ich niemandem den Wunsch nach der eigenen Handschrift ausreden will. Es muss den Raum geben, in dem ein Unternehmen seine eigenen Entscheidungen trifft. Den verteidige ich.

Aber in dem schönen Satz steckt mehr als der Wunsch, dass die Leute ihre Mails noch von Hand tippen. In ihm steckt eine Digitalisierungsentscheidung. Und ich bin nicht sicher, ob uns in dem Moment, in dem wir den Satz aussprechen, die Tragweite bewusst ist.

Denn wer das fordert, fordert am Ende vor allem händische Arbeit. Nicht nur im Postfach. An jedem Text, an jedem Konzept. Und sagt damit, in der Sache: Ich habe diese KI-Werkzeuge angeschafft, aber eigentlich will ich nicht, dass jemand sie benutzt. Dann ist das Arbeiten mit ihnen faktisch untersagt. Nur hat es keiner so ausgesprochen. Hier schließt sich der Kreis zur Marktbetrachtung. Die Frage ist nicht, ob ein Unternehmen so entscheiden darf. Es darf. Die Frage ist, wie lange es frei entscheiden kann, wenn es der digitalen Transformation mit harten, unreflektierten Vorbehalten begegnet. Während die eigenen Leistungsträger die Werkzeuge längst nutzen. Und der Wettbewerb sie führt.

Verbote können uns emotional beschützen. Das ist nichts Kleines. Der Wunsch nach dem Echten, nach der eigenen Hand, ist menschlich und ehrenwert. Aber vor der Realität schützen sie uns nicht. Die Realität sitzt schon im Posteingang. Auf beiden Seiten.

Wo ich die Grenze ziehe

Damit kein Missverständnis bleibt. Ich finde nicht, dass KI im Geschäftlichen „auch mal” mitschreiben darf. Ich finde, KI-assistiertes Schreiben sollte immer erlaubt sein. Die Grenze verläuft nicht zwischen Mensch und Maschine. Sie verläuft an der Urteilsfähigkeit.

Solange ein Mensch entscheiden kann, was gesagt wird — solange er die Position hält, das Ergebnis beurteilen kann und dafür geradesteht —, darf er jedes Werkzeug benutzen, um es zu sagen. Nicht das Werkzeug entscheidet über Echtheit. Sondern, wer das Steuer in der Hand hält. „Erlaubt” ist gar nicht die eigentliche Frage. Verantwortet ist die Frage.

Was dann als echtes Problem übrig bleibt, ist nicht die Maschine. Es ist die Beliebigkeit. Der Moment, in dem niemand mehr entscheidet, was eigentlich gesagt werden soll. Mit KI kommt dieser Moment schneller. Aber es ist kein Maschinenfehler. Es ist ein Urteilsfehler.

Und der Liebesbrief? Der ist keine Ausnahme von dieser Regel. Er ist ein anderes Spiel. Im Privaten, zwischen zwei Menschen, ist nicht die Botschaft das Geschenk, sondern dass ich es selbst getan habe. Da zählt die Hand, nicht das Urteil über den Inhalt. Das ist kein Verbot von KI. Das ist ein anderes Feld mit einem anderen Wert.

Ich verteidige beides: meine Überzeugung, dass es erlaubt sein sollte — und das Recht eines Hauses, es anders zu sehen. Nur sollte es eine Entscheidung sein. Keine Gewohnheit, die sich für eine Haltung hält.

Bauhaus-Infografik: zwei Spalten, getrennt durch eine dünne Linie. Links ein flächiger Khaki-Kreis mit Siegel-Punkt (Beziehung, Herkunft), rechts ein kühles Raster aus schmalen Rechtecken (Information, Klarheit).
Wann die Herkunft zählt — und wann die Klarheit.

Vielleicht ist genau das die Aufgabe. Nicht, die Maschine fernzuhalten. Auch nicht, sie blind hereinzulassen. Sondern zu wissen, wann es um die Beziehung geht und wann um die Information. Wann die Herkunft zählt und wann die Klarheit. Wann ich den Liebesbrief schreibe. Und wann die Quartalsmail.

Das eine ist kein Verrat am anderen. Es ist nur ein anderes Versprechen.

Welche Zukunft wollen wir gemeinsam bauen?

Hinweise zum Text

Dieser Beitrag stützt sich auf eine Reihe öffentlicher Quellen und Studien. Wer nachlesen will, findet sie hier:

  • Die Spiegel-Entscheidung nach dem Leitartikel von Dirk Kurbjuweit, 26. Juni 2026: Bericht bei kress.de.
  • Die von Kurbjuweit zitierte, über die Financial Times verbreitete Lesepräferenz („sieben von zehn"): FT Strategies.
  • KI-Nutzung nach Branchen — Gallup, Erhebung Q4 2025 (veröffentlicht Januar 2026): gallup.com.
  • Die „High Performer" — McKinsey, The State of AI: mckinsey.com.
  • Produktivität der am stärksten KI-exponierten Unternehmen — PwC, Global AI Jobs Barometer 2026: pwc.com.
  • Shadow AI bei Beschäftigten — UpGuard, State of Shadow AI, November 2025: upguard.com.
  • Shadow AI und Verbote — Software AG, Chasing Shadow AI (Befragung von Wissensarbeitern, Oktober 2024), referiert bei SecurityWeek.
  • Shadow AI bei Führungskräften — Cybernews, 2026: cybernews.com.
  • Kosten einer Datenpanne — IBM, Cost of a Data Breach Report 2025: ibm.com.
  • Sichtbarer Aufwand und Vertrauen — Gastbeitrag im Tagesspiegel Background, Januar 2026: background.tagesspiegel.de.
  • Die Szene mit den Tippfehlern — Magazin KOM, „Authentizität ist kein Tippfehler", Oktober 2025: kom.de.

HÄUFIGE FRAGEN

Häufige Fragen

Worum geht es in „Eine E-Mail ist kein Liebesbrief"?

Um den Satz „KI ja – aber die Mitarbeiter schreiben ihre E-Mails noch selbst." Stefan Margenfeld nimmt die Haltung dahinter ernst, zeigt aber, dass in ihr eine Digitalisierungsentscheidung steckt, die selten ausgesprochen wird. Sein Kern: Man muss unterscheiden, wann es um Beziehung und Herkunft geht (der Liebesbrief) und wann um Information und Klarheit (die Quartalsmail) – statt KI pauschal aus der Kommunikation herauszuhalten.

Hat Der Spiegel KI beim Schreiben verboten?

Im Juni 2026 hat Chefredakteur Dirk Kurbjuweit das Wort „maßgeblich" aus den Redaktionsrichtlinien gestrichen – damit dürfen Spiegel-Texte nicht mehr von KI geschrieben oder umgeschrieben werden. Erlaubt bleibt KI etwa fürs Übersetzen, Prüfen und für die Auswertung großer Datenmengen, Ausnahmen werden gekennzeichnet („weder Roboter noch Reinheitsgebot"). Für ein Menschenmedium, dessen Produkt das Schreiben ist, hält Margenfeld das für richtig – aber nicht eins zu eins auf den Posteingang eines Unternehmens übertragbar.

Was ist Shadow AI und warum ist ein KI-Verbot riskant?

Shadow AI bezeichnet die Nutzung nicht freigegebener KI-Werkzeuge durch Mitarbeitende. Erhebungen zeigen sie verbreitet: UpGuard meldete im November 2025 rund vier von fünf Beschäftigten, bei Führungskräften kommt Cybernews auf über neunzig Prozent. Ein Verbot senkt nicht die KI-Nutzung, sondern ihre Sichtbarkeit – fast die Hälfte würde die Werkzeuge laut Software AG selbst bei einem ausdrücklichen Verbot weiternutzen. IBM beziffert eine Datenpanne über Shadow AI im Schnitt sogar als teurer als eine über offizielle Wege.

Wann sollte KI in der Unternehmenskommunikation mitschreiben dürfen?

Margenfelds Unterscheidung ist nicht Mensch oder Maschine, sondern Beziehung oder Information. Wo die Herkunft die Botschaft trägt – die persönliche Nachricht, das Testimonial, die Identität einer Marke –, zählt die menschliche Hand. Wo es um die klare Weitergabe von Information geht – die interne Statusmail, die Quartalsmail –, darf KI ordnen und kürzen helfen, solange ein Mensch prüft und die Verantwortung trägt.