Die Idee
Kroll Facility Services, Verwaltung im dritten Stock. Geschäftsführer Lüttgenau steht vor dem Flipchart und verkündet: „Ab heute sind wir KI.“ Was das heißt, weiß niemand. Er auch nicht.
Mockumentary nach dem Vorbild von „Stromberg“: Handkamera, Interviews vor der Ordnerwand, Zoom kurz vor der Pointe. Sechs Figuren, drei Folgen und ein Imagefilm, den der Chef am Ende selbst gemacht hat.
Die drei Folgen
Deutsch ist schwerer
Ehrlich gesagt: Auf Deutsch sind die Ergebnisse nicht so schön wie im Englischen. Manches ist auf Laiendarsteller-Niveau. Für den Stand ist es okay.
Der Grund liegt in den Modellen. Kling, das bei THE AGENCY und ANCIENT MARKETING trägt, klang auf Deutsch so schlecht, dass ich es nach dem ersten Probe-Clip gestrichen habe. Gemini Omni spricht jede Zeile wortgenau, aber die Stimmen wirken künstlich, manche Momente unheimlich. Veo hat das bessere Timing, erfindet dafür aber Wörter, setzt Schnitte, wo keine sein sollen, und brennt ungefragt Untertitel ein. Die Veo-Fassung von Folge 2 habe ich komplett verworfen.
Fast die Hälfte aller Bild- und Video-Credits ging in diese Suche. Am Ende stehen Mischungen: In Folge 1 spricht Lüttgenau mit Veo, Petra und Ulf mit Gemini.
Der Imagefilm
Drohnenflug im Morgenlicht, Händeschütteln, ein Sprecher mit zu viel Pathos. Solche Imagefilme haben Mittelständler 2015 bei einer Regionalagentur bestellt. Diesmal hat ihn Herr Lüttgenau selbst gemacht. Im Film sagt er es selbst: „Hat drei Minuten gedauert.“ Pause. „Vier, mit Musik.“
Der Film gibt sich ernst und glatt. Die Brüche kommen aus genau den Fehlern, die entstehen, wenn niemand prüft. Der Handschuh, der die Scheibe putzt, hat einen Finger zu viel. Das Team, das um den Konferenztisch lacht, arbeitet nicht bei Kroll. Die Infografik verkündet 98,7 Prozent Kundenzufriedenheit, darunter steht klein: „Interne Erhebung 2019, Rücklaufquote 11 %“. Alles daran ist Absicht.
Hochglanz läuft überbelichtet und gesättigt, die Wirklichkeit im Kino-Look mit Handkamera. Die Musik „Rising Together“ habe ich mit Suno komponiert, der Schnitt liegt auf ihren Takten.
Die Stimme bin ich
Der Sprecher aus dem Off klingt nach Imagefilm: warm, getragen, vollkommen ernst. Es ist meine eigene Stimme. Seit zwanzig Jahren spreche ich unter ichbinsprecher.de für Marken, und diese Brandvoice gibt es inzwischen als Klon. Für Kroll habe ich keinen Satz selbst eingesprochen. Der Klon hat jeden der acht Sätze zweimal gesprochen, die Regieassistenz hat die Takes vorsortiert. Einer davon sagte „Krall“ statt „Kroll“ und flog raus.
So steckt in diesem Film ein zweiter Fall: eine Stimme, die spricht, ohne dass ihr Besitzer im Raum ist. Sie gehört mir. Ob sie das Richtige sagt, muss trotzdem jemand hören.
Was ich mitnehme
Herr Lüttgenau hat recht: Der Imagefilm hat fast nichts gekostet, rund elf Euro. Die ganze Reihe kam auf rund 134 Euro. Teuer war nicht das Herstellen. Teuer war die Suche nach einer Maschine, die gut Deutsch spricht.
Und jede Folge hat einen Menschen gebraucht, der hinschaut. Das Hinschauen bleibt teuer, und es lässt sich nicht weglassen.
Was das für eine Organisation heißt
Strategie. Herr Lüttgenau verkündet: „Ab heute sind wir KI.“ Danach wird eine Jubiläumsrede ungeprüft vorgelesen, eine Marktübersicht zitiert ein Institut, das es nicht gibt, und im Imagefilm hat ein Handschuh einen Finger zu viel. Die Reihe erzählt, was passiert, wenn eine Firma Werkzeuge einführt und den Ablauf vergisst. Und sie zeigt einen Standortnachteil: Auf Deutsch sind die Modelle schwächer als auf Englisch.
Rolle. Modellwahl ist Beschaffung. 48 Prozent der Bild- und Video-Credits gingen in die Suche nach gutem Deutsch. Jemand muss entscheiden, nach welchem Maßstab, und regelmäßig neu prüfen. Die Modelle ändern sich schneller als jeder Rahmenvertrag.
Ablauf. Jede Zeile wird gegen das Skript geprüft, bevor ein Mensch sie abnimmt. Bei der eigenen Stimme kommt eine Frage dazu: Wer darf den Klon benutzen, und wofür?
Beim Menschen. Das Hinschauen. Die Reihe kostete rund 134 Euro, der Imagefilm rund elf. Billig ist das nur, solange jemand prüft. Bei Kroll tut es niemand.