Beim Radio habe ich gelernt, wie leicht man missverstanden werden kann. An mir selbst.
In meiner frühen Zeit beim Hörfunk wollte ich unbedingt witzig sein. Ich war überzeugt: Genau das transportiere ich, sobald das Mikrofon offen ist. Ich hörte mich on air und dachte – lockerer Typ, gute Show.
Dann kamen die Trackings. Marktforschung. Hörer wurden gefragt, wie sie mich wahrnehmen.
Das Ergebnis, sinngemäß und in aller Härte: sehr gute Werte bei „informativ”. Miese Werte bei „humorvoll”.
Für den Sender war das super. Für mich war es fast eine kleine Krise. Meine Intention war eine völlig andere gewesen.
Die Lektion sitzt bis heute.
Entscheidend ist nicht, was wir senden. Sondern was ankommt.
Deshalb traue ich Trackings mehr als meinem Gefühl – Zufriedenheitsabfragen, Rezipientenstudien oder die einfachste Form: ehrlich nachfragen, wie das Gegenüber es verstanden hat.
Und zur professionellen Kommunikation gehört der unbequeme zweite Schritt: dieses Feedback ernst zu nehmen. Auch wenn es nicht zur eigenen Selbstwahrnehmung passt. Es sei denn, wir wollen missverstanden werden.
Neu ist das nicht. Neu ist, dass es unübersehbar wird.
Dass der Empfänger mitentscheidet, was gesagt wurde, ist keine Entdeckung unserer Zeit. Friedemann Schulz von Thun hat schon 1981 beschrieben, dass jede Nachricht mit vier verschiedenen Ohren gehört werden kann. Jedes PR-Grundlagenwerk kennt die Anspruchsgruppen. Das Wissen ist alt.
Was sich geändert hat, ist die Sichtbarkeit. Wir kommunizieren heute über so viele Kanäle mit so fein segmentierten Gruppen, dass die Unterschiede in der Wahrnehmung nicht mehr im Rauschen verschwinden. Der Klassiker aus jedem PR-Lehrbuch: Eine Botschaft, intern als Aufbruch gemeint, liest sich draußen als Ankündigung von Stellenabbau. Aus „Hier ist ein neues Produkt” wird ein politisches Thema. Nicht wegen der Botschaft selbst – wegen Timing, Stimmung, Kontext.
Mit KI stellt sich dieselbe Frage. Nur tausendfach.
Wir können Kommunikation inzwischen massenhaft skalieren, in einem Tempo, das es vorher nicht gab. In jede Tonalität. In jedes Format. Für jede Anspruchsgruppe.
Nur: Wer schon eine einzige Stimme nicht sicher gesteuert bekommt – meine eigene hat mir damals als Lektion gereicht –, der steuert tausend Varianten erst recht nicht. Skalierung verstärkt, was da ist. Auch die Unschärfe.
Erste Untersuchungen zur KI-Kommunikation deuten in dieselbe Richtung, mit aller Vorsicht, die junge Forschung verdient: KI-generierte Inhalte gleichen einander messbar an. Und sobald Menschen hinter einer Marke KI vermuten, nimmt die wahrgenommene Echtheit ab. Beides zusammen heißt: Wer ohne klares Fundament skaliert, wird nicht klarer wahrgenommen. Nur lauter und austauschbarer.
Kommunikation endet nicht beim Senden. Sie beginnt dort. Wann haben Sie zuletzt nachgemessen, was wirklich ankommt?